Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 459 (sequence 6)
- Language
- German
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Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten. 459 Schluß suchen. Als Vorsteher werden Michel Bensa, G. J. Rieberg1), Gomp. S. Rothschild, Wallach, Rosengarten und Dr. J. Pinchas genannt. Mendel Steinhardt und d a s L a n d r a b b i n a t in Westphale n2). Unter den drei geistlichen Räten des Konsistoriums war der jüngste, Steinhardt, wohl der geistig bedeutendste. Er erfreute sich in Cassel allgemeiner Achtung auch in hohen christlichen Kreisen3). Selbstredend konnte es einem so ausgeprägten Charakter nicht an Feinden fehlen, die seine freisinnige Denkweise zu giftigen Verleumdungen veranlaßte4). Aus einem alten Rabbinerhause entsprossen, verband er ein ungewöhnliches talmudisches Wissen und einen erstaunlichen Scharfsinn mit einer in jener Zeit seltenen modernen Bildung. Bevor er seine Casseler Sie!•־ hing antrat, hatte er bereits in zwei ähnlichen Stellungen sich erfolgreich betätigen können, in Minden5) und in ג) Vgl. oben S. 358. 2) Nachstehende Darstellung ergänzt den oben Seite 186 gegebenen Bericht in mehrfacher Hinsicht. 5) Haeniem (über denselben weiter S. 462, 468, 471) urteilt von ihm in einem Briefe an den Zivilgouverneur von Vincke vom 14. Juli 1814: »Ein Mann von sehr strenger Rechtschaffenheit und ausgezeichnet tiefen Kenntnissen in seinem Fache und dabei von sehr aufgeklärter Denkungsart.« 4) Nach einer ziemlich trüben Quelle, der »Geheimen Geschichte des ehemaligen Westphäiischen Hofes zu Cassel« (neugedruckt Cassel 1907} S214 ־, soll ein geistliches Mitglied des israelitischen Konsistoriums einem Freunde in der Provinz einen gekochten Aal zum Geschenk gesandt haben. Es kann kaum ein anderer als Steinhardt gemeint sein. 5) Folgt aus der unten S. 460 abgedruckten Eingabe der Vorsteher der Hildesheimer Judenschaft an den König vom 10. Dezember 1804. (Hildesheimer Stadt-Archiv Acta betr. die Besteuerung der Juden 1804—1808) Zeitlin »Biblioiheca postmendeissohniana« s. v. kennt ihn als Rabbiner von Minden, nicht aber als solchen von Hildesheim.