Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die jüdischen Realschulen Deutschlands
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 452 (sequence 23)
- Language
- German
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452 Die jüdischen Realschulen Deutschlands. Sprachphilosophen Lazarus Geiger, den Literarhistoriker Albert Bielschowsky, den Historiker Harry Breßlau, den Mitarbeiter Helmholtz’ Gustav Wertheim und den Historiker Frankfurts Professor Kracauer! An der Stirnwand der Treppenhalle, von den Büsten Lessings, Mendelssohns und Goethes umgeben, leuchtet uns die Devise des Philanthropins entgegen: für Aufklärung und Humanität! An diesen eigentlich politischen, kulturellen Idealen ihrer Gründungszeit hat die Schule stets auch in religiöser Beziehung festgehalten. Hess wollte das Kind bloß in einer Religion, im sogenannten Moralunter־ rieht, unterweisen und nur auf der Oberstufe, und nur ge■ legentlich sollte ihm der jüdische Glaube nähergebracht werden. Als solches, rein-ethisches Programm können wohl die vielsagenden Worte des Propheten Micha gelten, die ebenfalls an hervorragender Stelle des Hauses stehen: »Es ist dir gesagt, 0 Mensch, was gut ist und was der Ewige von dir fordert: nichts anderes, als das Rechte tun, Liebe üben und in Demut wandeln vor deinem Gotte«. Wohl hat das »historische Jahrhundert« die Bedeutung des einst verpönten »jüdisch-eigentümlichen«, die Wichtigkeit der Religionslehre im allgemeinen als Erziehungsgrundlage, ins richtigere Licht gestellt, und neben den obligatorischen Religionsstunden wird im Philanthropin heute in 10 wahlfreien Stunden sogar hebräischer Unterricht erteilt, aber »niemals haben die Lehrer ihre Schüler und Schülerinnen zur Unterwerfung unter andere Glaubensgesetze als das von dem einig-einzigen Gott geleitet, niemals ihnen die Befolgung von Zeremonien, die Übung religiöser Bräuche zur Pflicht gemacht«. Also ward das Philanthropin zur eminenten Lehr- und Pflegestätte des liberalen deutsehen Judentums, zur Mutteranstalt quasi der Samson- und Jacobsonschule, denen es seit 50 Jahren Direktoren und oft Lehrer liefert. Dabei trat es stets treu und tapfer für die politischen, moralischen und materiellen Gesamt-