Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die jüdischen Realschulen Deutschlands
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 444 (sequence 15)
- Language
- German
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444 Die jüdischen Realschulen Deutschlands. Das Phüanthropin in Frankfurt a. BL Die bisher behandelten, benachbarten beiden Schulen, sowohl der Person, als dem Geiste ihrer Stifter nach Schwesterinstitute, waren mit ihrer strengen Zucht, ihrer nach einheitlichem Prinzip geregelten Internatserziehung nicht bloß Produkte der Kleinstadt, waren auch nur in deren Milieu möglich, konnten höchstens deren Bedürfnisse befriedigen, obwohl ihr Ruf bis in ferne Gegenden drang. Das Gedeihen großer, weitwirkender Schulen war naturgemaß an den Bestand von Großgemeinden gebunden, in deren Mitte bei den immer mehr überhand nehmenden jüdischen Bildungsbestrebungen der Zeit Massenbetrieb und Massenerfolge möglich, ja wahrscheinlich waren. Es darf also für mehr als Zufall angesehen werden, daß am Anfänge des XIX. Jahrhunderts in den beiden Zentren der damaligen Judenheit, in Frankfurt a. M. und in Hamburg, fast gleichzeitig die Grundlagen zu zukünftigen, höheren Lehranstalten gelegt wurden. In beiden Städten waren die Anfänge eines jüdischen Unterrichtswesens bereits vorhanden, in Frankfurt, wo Mendelssohns Bücher und Lehren ziemlich rasche Verbreitung fanden, auch die des modernisierten Unterrichtes. War es doch hier, wo der intransigente Rabbi Pinchas Horowitz am 8. Dezember 1794 den ersten Versuch einer weltlichen Schule mit synagogalem, zwar nur kurzlebigem Banne belegte, wo die Seesener Anstalt sofort im Jahre ihrer Entstehung den Plan einer ähnlichen Schöpfung hervorrief, wo die 1803 gegründete städtische »Musterschule« gleich anfangs 1/4 ihrer Schüler aus den Judenquartieren bezog. Daß die endliche Verwirklichung dieses Strebens sich an den Namen eines Rothschilds knüpft, ist in Frankfurt eigentlich ganz stilgerecht. Und auch die Vorgeschichte klingt ganz zeitgemäß biedermeierisch! Der Vater der »fünf Frankfurter«, der berühmte Meyer Amschel, hatte