Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 383 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 383 nachzuweisen, daß der jüdische Kalender in seiner jetzigen Form von den jüdischen Gelehrten der babylonischen Stadt Sura im Jahre 219 eingeführt worden ist, und findet den Beweis dafür in der Sonnenfinsternis vom Freitag, 2« April desselben Jahres. Der Rechnungsmoled des Monats Nissan dieses Jahres fand dort Freitag vormittags 10 Uhr 371״ Minuten statt und die Mitte der Finsternis ־— nach Sidersky — in Babylon 10 Uhr 308״ Min., in Sura 10 Uhr 33#4 Min. »Die Differenz von 3.7 Minuten erklärt sich natürlich, wenn man bemerkt, daß die Beobachtung der Finsternis, da sie mit dem bloßen Auge gemacht worden ist, erst einige Augenblicke nach dem Anfang des Phänomens erfolgt ist. Vielleicht hat man auch erst das Ende der Finsternis mit dem Augenblik der Widerkehr des Lichts konstatiert.« Demnach scheint S. anzunehmen, daß die Sonnenfinsternis für Sura eine totale gewesen ist, was gar nicht der Fall ist. Aus der Zusammenstellung von Ginzel (spezieller Kanon der Finsternisse S. 83) geht ja klar hervor, daß die Maximalphase in Babylon nur 7 Zoll betrug, eine Beobachtung mit bloßem Auge also vollständig unmöglich war, die Finsternis sogar bei dem hohen Stand der Sonne wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen wurde. Einen zweiten prinzipiellen Fehler begeht S. in der Zusammenstellung der 19 Finsternisse, da er ganz unbegründet eine Menge derartiger Phänomene wegläßt, z. B. diejenige vom 6. Juni 346, die in der Tat von Bedeutung für die Kalenderrechnung gewesen zu sein scheint (s. hierüber Sitzber. der Preuß. Akad. der Wissensch. 1914 X). Auch setzt S. für die Mitte de» Finsternis diejenige Zeit an, die sich durch Anbringung der Längendifferenz an die in Greenwicher Zeit angegebene wahre eklipptische Konjunktion ergibt, ohne zu bedenken, daß außer der geographischen Länge noch andere Faktoren zu berücksichtigen sind. In Wirklichkeit war nämlich die Mitte der Finsternis, d. h. die Maximalphase der Bedeckung, in Babylon um 10 Uhr 12 Min., in Sura also IO1/* Uhr. Drittens beachtet S. nicht, daß man im Jahre 219 gar nicht im Stande war, die Zeit bis auf zehntel Minuten genau anzugeben, und man immer nur ganz rohe Angaben nach Bruchteilen der Stunde gemacht hat. Es ist deshalb gar nicht zu verstehen, aus welchem Grunde die jüdischen Weisen den Moled Nissan des Jahres 219 gerade um 10 Uhr 37*1 Min. angenommen haben sollen, da sie ihn einige Minuten vorher oder nachher ebenfalls mit der Finsternis In Einklang gebracht hätten. Sehr unwahrscheinlich klingt auch die Tatsache, daß die kleine Stadt Sura zum Ausgangsmeridian gewählt worden sei, zu einer Zeit, als noch Jerusalem der Sitz des Patriarchats war. Wenn S. seine von dem Referenten aus den angeführten Gründen kaum zu akzeptierende Hypothese weiter dazu benutzt, die von