Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- 359 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts. Von Josef Bass. (Fortsetzung.) Auch in dem Roman Ahasvera von Hans von Kahlenberg, Verlag Vita, Berlin, 312 S. ist die Mischehe Gegenstand der Behandlang. Das jüdische Geld spielt auch hier die Hauptrolle, aber die Geschichte spielt sich in einem anderen Gesellschaftskreise ab, und zwar im hohen Adel einer preußisehen Provinz, und der Verfasser, oder richtiger die Verfasserin, gelangt zu dem entgegengesetzten Ergebnis. Der durch die leichtsinnige Wirtschaft seines Vaters, durch dessen Liebe zu Spiel und Rennpferden vor dem Zusammenbruch stehende feudale Graf Philipp von Rechtern auf Nadlitz heiratet die zarte, brünette Adeline, die Tochter des sehr reichen, jüdischen Bankiers Isidor Goldstein. Große, sanfte, braune Augen sind ihre einzige Schönheit. Aber dem Grafen bleibt nichts anders übrig, denn Straßenraub und Freibeuterei unmöglich geworden sind, kann der Adel nur durch solche Heiraten wieder in den Besitz von Thalersäcken gelangen. Daher hat selbst der Fürst durchlauchtigst geruht seine Anteilnahme auszudrücken. Das Unsittliche einer solchen, aus rein materiellen Gründen geschlossenen Ehe liegt zwar offen auf der Seite Philipps, aber dennoch ist er in den Augen seiner Standesgenossen ein Mustermensch, reell und zuverlässig. Die Hochzeit ist mit großer Pracht gefeiert worden, denn die Mutter Amalie Goldstein kann einen Hang zum Großtun nicht