Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Eine missverstandene Rede Jesu
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 289 (sequence 9)
- Language
- German
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Eine mißverstandene Rede Jesu. 289 es sich darum handle, ein Menschenleben zu retten, die bei dieser Gelegenheit den Grundsatz festprägten: die Schrift selbst erkläre1), daß ihre Gebote und Verbote gegeben seien, damit der Mensch durch sie lebe, nicht aber, damit er durch sie sterbe2): sie hätten es Jesu sicher nicht als Todes- Sünde abgerechnet, daß er am Sabbath Kranke heile. Diesen pharisäischen Schriftgelehrten hätte Jesus gewiß nicht entgegenzuhalten gebraucht, was er den »Pharisäern«, die ihm das Krankenheilen am Sabbath so sehr verargten, antwortete, nämlich: »Soll man am Sabbath Gutes oder Böses tun? das Leben erhalten oder t öte n«?3). In das falsche Licht, in welchem die »Schriftgelehrten und Pharisäer« in den evangelischen Schriften dargestellt erscheinen, konnten sie erst seit dem Beginn des zweiten Jahrhunderts, als die heidnische Kirche übermächtig erstärkte, gerückt werden, deren intensives Streben dahinging, das Christentum vom Judentum völlig loszureißen, das letztere in der planmäßig und konsequent betriebenen Herabsetzung seiner geistigen Führer, der Schriftgelehrten, zu treffen und es dem Hasse und der Verachtung preiszugeben. Lev. 18, 5. 2) Joma 85 b: .וחי בדם ולא שימרת בדם ף Mc. 3, 2—4; Lc. 6, 9. 1? Monatsschrift, 53. Jahrgang.