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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 6 · p. Seite 687

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 6
Article
Eine unbekannte jüdische Sekte
Date
1913-01-01
Page
Seite 687 (sequence 22)
Language
German
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Eine unbekannte jüdische Sekte« 687 wir schon oben1) bemerkt, und derselben transzendentalen Tendenz entspringt — zum Teile wenigstens — auch die Angelologie, welche eine bedeutende Rolle im Lehrsystem der Sektie zu spielen scheint Wir finden in unserer Schrift bestimmte Engelsgruppen s ׳ wie einzelne Gestalten von ihnen, die aus der Schaar der namenlosen himmlischen Wesen heraustreten und ein konkretes Gepräge erhalten. Die »Plageengel« [מ&אכי חבל[ה, die an den Sündern das göttliche Strafgericht vollziehen, — 2, G — bilden eine Engelklasse, die auch in der rabbinischen und apokalyptischen Literatur häufig erwähnt wird Es ist jedoch nicht ohne Interesse zu bemerken, daß von d r im Buche Henoch2) herrschenden Vorstei ung, wonach diese Engel zum Reiche des Bösen gehören, an dessen Spitze Satan steht, keine Spur in unserer Schrift zu finden ist. Diese Engel sind vielmehr vom Uranfange an von Gott bestimmt worden, um die Sünder zu strafen, und in der Ausführung ihres Amtes folgen sie nicht etwa Satan, sondern vollziehen den Willen Gottes. Wie nach der Lehre der Rabbinen Gehinnom zu den präexistierenden Schö fungen gehört8), so sind nach unserer Schrift auch die Plageengel, welche im Gehinnom an den Sündern die Strafe Gottes vollziehen, von Uranfang dazu bestimmt l) Wie oben S. 674 hervorgehoben worden ist, befindet sich unsere Schrift in Übereinstimmung mit den Pharisäern, die gleichfalls die Existenz der Engei- und Geisterwelt lehrten. Es sei jedoch bemerkt, daß in der tannaitischen Literatur die Angelologie beinahe bedeutungs'os ist. In der Mischna kommt nicht einmal das Wott * *ם:**י.ך vor, und auch aus der Tosefta, sowie den halachisehen Midraschin läßt sich kaum ein halbes Dutzend angelologischer Stellen nachweisen. *) Vgl. besonders Uli, 3: und ich sah die Plageengel die allerlei Machtwerkzeuge dem Satan zurecht machten. Die Vorstellung von einem Reiche des Bösen ist jedoch unserer Schrift nicht ,ganz unbekannt, vgl. weiter unten das über Beliaal Bemerkte. *) Peßachim 54a und die von Theodor zu Gen. r. I, 6 gegebenen Parallelsrellen; über die Frage, ob diese präexistierenden Dinge real oder ideal aufzufassen seien, vgL meine Ausführung, Haggada b. d. Krv. 2 ff.

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