Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 625 (sequence 1)
- Language
- German
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Segsil, Dr. Jak. Die beruflichen und sozialen Verhältnisse der Juden in Deutschland. (Veröffentlichungen des Bureaus für Statistik der Juden, Heft 9.) Verlag von Max Schildberger, Berlin W. 62. 1912. Angeregt durch Zahn’s grundlegende Arbeiten über die berufliehe und soziale Gliederung des deutschen Volkes, hat Segall eine gesonderte Betrachtung über die wirtschaftliche und soziale Lage der Jude n an gestellt unter Zugrundelegung der Volkszählung von 1905 und der Berufs- und Betriebszählungsergebnisse von 1907. Er stellt sich die Aufgabe, zu untersuchen, worin die Unterschiede bestehen und worauf die Gründe beruhen, daß der gesellschaftliche Aufbau und berufliche Charakter der Juden in vielen wichtigen Beziehungen von jenem der übrigen deutschen Bevölkerung abweichen, und wie ^allmählich eine Annäherung der Wirtschaftsverfassung der Juden an jene der Gesamtbevölkerung sich vollzieht. Zwar fließen Segall die Angaben nicht in so umfassendem Maße zu wie Zahn, denn die Statistik nach Konfessionen ist natürlicher Weise nicht so ausgebaut wie die allgemeine, aber er zieht zum Vergleiche die Statistiken der großen Einzelstaaten, deren Judenschaft vorzüglich für Deutschland in Betracht kommt, hauptsächlich heran, und so verfügt er über ein recht ausführliches Material. Das Bild, das Segall über die Entwickelung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland im ersten Kapitel seines Buches entwirft, ist kein erfreuliches. Das Wachstum der jüdischen Bevölkerung seit 1871 hat mit der Zunahme der Gesamtbevölkerung nicht gleichen Schritt zu halten vermocht. Im Jahre 1871 betrug der Anteil der Juden noch 1,25 Prozent und ist sukzessive nach dem Ergebnisse der Volkszählung von 1905 nunmehr auf 1 Prozent zurücKgegangen. Als ersten Grund für das Stagnieren der jüdischen Bevölkerung führt Segall mit Recht die passive Wanderungsbilanz, die die deutschen Juden aufzuweisen haben, an. Wenn wir auch keine amtlichen Angaben über den Wanderungsgewinn oder -Verlust der Juden im Reich haben, so viel Anhaltspunkte geben aber die einzelstaatlichen Statistiken, daß die Juden namentlich in den achtziger Jahren mehr Menschen ins Ausland abgegeben, als sie von diesem empfangen haben. Demgegenüber steht zwar die Zuwanderung aus dem Auslande, vor allem aus Österreich und Rußland, in den neunziger Jahren, sie trägt aber, soweit Rußland in Frage kommt, einen mehr Monatsschrift, 57. Jahrgang. 40