Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 489 (sequence 8)
- Language
- German
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Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden. 489 rigen. Daher ersuchte er das Ministerium um Erhöhung der Gage für Lehrer an den Elementarschulen. So schreibt er an Dukschinsky: »Dann bitte ich Sie innig, ja Vorsichtsmaßregeln für die Zuwandernden gegen die Chassidim zu treffen. Sie haben bis zur Stunde die Art und Weise unter sich, daß sie diejenigen, die ein wenig sich aufklären wollen, vogelfrei in Acht und Bann erklären, und aus dem Wege räumen. Sie nennen dies auf hebräisch den Todschlag erlauben, und ich könnte Ihnen eine wahre Geschichte erzählen, daß vor wenigen Jahren ein Vater selbst seinen eigenen Sohn ertränken ließ, bloß weil er der fanatischen Sekte abhold war. Die infamsten Lügengespinste wurden über ihn ersonnen, und jedes freisinnige Wort für Ketzerei und Gotteslästerung erklärt. Es wird den Einwanderern, wenn die Regierung sie nicht schützt, nicht besser gehen. Man wird sie als Ketzer, Verräter und, weiß Gott, erklären und verleumden, und Ew. Hochwohlgeboren sollen wir die Verantwortung so vielen Unglücks auf uns nehmen? Die Chassidim vermögen in ihren Gegenden durch ihren Reichtum sehr viel, und wozu wird sie anfangs der Chassidismus und Fatanismus nicht treiben? Mir weint das Herz, von meinen Glaubensbrüdern so sprechen zu müssen, aber mir gebietet die Pflicht gegen die Regierung und gegen meine Landsleute.« Die BedenkenPhilippsons und Lilienthals wurden Uwaroff aufs genaueste berichtet, und Dukschinsky war bevollmächtigt Lilienthal Aufklärungen zu geben. Der Vertreter des Ministeriums wies darauf hin, daß Lilienthal selber wisse, wie unbestimmt noch die Resultate sind, die man den ausländischen Juden Vorhalten könne; »alles was man sagen kann, besteht darin, daß höhere und niedere Schulen und vielleicht ein Seminarium und Rabbineranstalt zu errichten sind, aber das wie und wo ist noch in weitem Felde; und daher müsse man Männer in Sicht haben, wie 1. Theologen, die ihre Studien auf den Universitäten vollendet,