Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 487 (sequence 6)
- Language
- German
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Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden. 487 wären, ist aus folgendem zu ersehen. Lilienthal, der mit der sozialen Macht der Chassidim wohl rechnete, war später selber gezwungen, Mendel Lubawitsch aufzufordern an den Arbeiten der Kommission teilzunehmen, welche das Schulprogramm zu bestätigen hatte. V. Die in Vorschlag gebrachten Kandidaten zur Besetzung der Lehrerstellen erwarteten mit Ungeduld Aufklärung über die bevorstehende Tätigkeit und die materiellen Bedingungen. Im Gespräch mit Uwaroff behauptete Lilienthal, es wäre hinreichend, 30 Lehrer aus dem Auslande kommen zu lassen, aber im Briefe, der in den »Israelit. Ann.« veröffentlicht wurde, ist von einer bedeutend größeren Zahl die Rede. Als aber die Zahl der Lehrer, die nach Rußland kommen wollten, 100 übertraf und Lilienthal von allen Seiten mit der Bitte bestürmt wurde die Einladung nach Rußland zu beschleunigen, wurde es ihm bange. In seinem Brief an Dukschinsky, dem er auf die Notwendigkeit einer eingreifenden Staatshilfe im Kampfe gegen den Obskurantismus hänwies, sagt er: »Allein da Ew. Hochwohlgeboren, der mit ebenso vieler Liebe und Humanität als Nachdruck und Ernste sich der Lösung dieser Aufgabe nach den Ansichten und dem hohen Willen Sr. Exzellenz sich hingeben, so sehe ich mit Vertrauen und Ruhe der allmähligen Entwicklung und Förderung dieses großen Werkes entgegen, obgleich die vielen Anfragen über Aufklärung des beabsichtigten Unternehmens, näheres Bezeichnen der einzelnen Schwierigkeiten immer stürmischer in den an mich gerichteten Briefen lauten, da diese Leute vor Ungeduld schon nicht mehr wissen, wie sie sich in ihrem jetzigem Wirkungskreise bewegen, ob sie ihn kündigen oder fortbehalten sollen.« Auch Philippson legte große Ungeduld an den Tag und dies ist leicht verständlich — denn er hatte die meisten