Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Jüdische Hospitäler im Mittelalter
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 460 (sequence 9)
- Language
- German
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460 Jädische Hospitäler im Mittelalter.. »Hospital« bedeutet zum mindesten im früheren Mittelalter, im Unterschied von dem »Infirmarium« vielfach nur ein Hospiz; und so heißt es, wie angegeben, in der Coblenzer Nachricht »•Hospitium judaicum«. Nur aus Frankfurt sind »sieche Juden im Spital« erwähnt; und von dieser Stadt vermag Dietz zwei getrennte Häuser, ein Spital und ein Hekdesch, anzuführen, deren zeitliche Fixierung mir aber nicht ersichtlich ist. Erst in der Neuzeit kann mit größerer Sicherheit von einem »Krankenhaus« die Rede sein. Somit komme ich zu der Meinung, daß im Mittelalter das Hekdesch dem Hospitium, zu deutsch Selhaus, gleichzusetzen sei; daß es eine Herberge für fremde Juden war, die wegen des Fehlens der Familie ein solches Haus in Anspruch nehmen mußten. Unter diesen Fremdlingen, die keine Bürger der Stadt oder der Gemeinde, sondern Gäste waren, mögen manchmal Kranke gewesen sein, so daß auch »sieche Juden« gelegentlich im »Spital« zu behandeln waren, wofür in Frankfurt der jüdische Wundarzt verpflichtet wurde• Und wenn, wie für die genannte Stadt angenommen werden kann, ein größerer Handelsverkehr auswärtiger Juden stattfand, so konnte es schließlich zur Trennung eines Spitales (im Sinne des Krankenhauses) von dem Hekdesch (im Sinne der Herberge) kommen, welche Entwicklung frühestens dem Ausgang des Mittelalters, ja erst der Neuzeit anzugehören scheint. Am Schlüsse dieser erstmaligen Zusammenfassung des über Judenspitäler im Mittelälter Erreichbaren, möchte ich zunächst allen Herren, die mir briefliche Nachrichten haben zukommen lassen, meinen Dank aussprechen. Zugleich erneuere ich aber meine frühere Bitte, mir weiteres Material, möglichst genau und weitgehend, mit guten Quellenangaben und Belegen zukommen zu lassen.