Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Jüdische Hospitäler im Mittelalter
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 456 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829851-2829856-2892352--40594-2892440- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
456 Jüdische Hospitäler im Mittelalter. spital* * 1480 erwähnt wird ohne näheres Charakteristikum. Und 1498 verkauft dort »Hierssl als zechmaister und gewaltsager der gannzen jüdischeit« an Bürgermeister und Rat der Stadt »acht hewsel weilennt genant die Refelzeil mitsampt eines öden gemew, so vorzeitten der juden spital gewesen ist.« Nach dieser Angabe ist also das mittelalterliehe Spital nicht mehr erhalten; Schwarz fügte aber bei, daß »die Bauanlage, die den ,Schulhof‘ mittelst eines Durchganges mit dem Hospitale verbunden hat, wenigstens für Wien schon im Mittelalter urkundlich belegt ist. Sicher war das auch anderwärts der Fall.« In seinem Buche hat er die Abbildung des späteren, 1664 auf drei Stockwerke erhöhten, 1883 abgebrochenen Spitales gegeben, welche ich gleichwohl hierhersetze, da sie im Allgemeinen somit dem ehemaligen Hause entsprechen dürfte. Die Bezeichnung, welche das Judenspital im Mittelalter führte, finden wir nun wieder in einem hebräischen Briefe, welchen im Jahre 1381 die jüdische Gemeinde zu M ü nch en an diejenige von Str aßb u rg richtete; vielleicht dürfen wir annehmen, daß an diesen beiden Orten nicht nur der Begriff des »Hekdesch« — er bedeutet: heiliger Wohltat gewidmet, — sondern auch die Sache bekannt und vorhanden war1). Sicher ist das letztere hingegen für Frankfurt: 1394 mußte der Stadtwundarzt Salomon Pietsch, der selbst Jude war, die siechen Juden im Spital unentgeltlich behandeln2). Nach der ganzen Zeitlage aber kann unter diesem Spital keines der christlichen gemeint sein, da die Aufnahme von Juden in diesen nicht nur nirgends erwähnt ist, sondern auch geradezu undenkbar erscheint. Von einem Versorgungshaus für Arme, das •die Frankfurter jüdische Gemeinde im ’) A. Berliner, Aus dem Leben der deutschen Juden im Mitte!־ alter. 1900. S. 170. *) R. Landau, Geschichte der jüdischen Ärzte. 1895.