Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Jüdische Hospitäler im Mittelalter
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 452 (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdische Hospitäler im Mittelalter. Von K. Baas. In einem Vortrage über Hospitäler und Lazarette hatte Virchow1) im Jahre 1869 geäußert, daß die Juden, solange sie einen Staat bildeten, keine Hospitäler gehabt hätten. Diesen Satz suchte Dr. Cassel zu entkräften in seiner Schrift: Offener Brief eines Juden an Herrn Prof. Dr. Virchow, 1869, in welcher er in einer heftigen Sprache zunächst den Vorwurf der Voreingenommenheit erhob, die bei V i rc h 0 w doch wahrlich nicht vorhanden war; in sachlicher Beziehung konnte er dann aber nur den Hinweis auf die Bet-ha Chofschith bringen, in welchem nach 2. Kön. 15, 5 und 2. Chron. 26, 21 der aussätzig gewordene König Usia sein Leben zubrachte. Indem er diese Stätte für ein Krankenhaus erklärte, mußte Cassel freilich alsbald zugeben, daß es doch nur dem ganz besonderen Zwecke der Aussätzigenpflege gedient habe. Im Hinblick auf den eben genannten äußert sich J. Preuß2), der zur Zeit der beste Kenner der altjüdischen Medicin ist, folgendermaßen: »Krankenhäuser haben die Juden z. Z. des Talmuds nicht gehabt. Diese Tatsache wird kein eifernder Apologet aus der Welt schaffen; die Beth Chofschith des Königs Usia war höchstens ein Leprosenheim, wahrscheinlich aber nur eine Zufluchtsstätte, die der aussätzige König sich außerhalb der menschlichen Wohnungen erbaute, während seine minder günstig gestellten Leidensgenossen in Hütten ihr elendes Dasein bel) Sammlung gemeinverständlicher Vorträge von Virchow und Holizendorff. 111. Serie, Heit 72. 1869. *) J. Preuß, Biblisch-talmudische Medizin. 1911. S. 518.