Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 383 (sequence 3)
- Language
- German
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Besprechungen. 383 er sucht auf neuen Bahnen eine Fülle von Wissen, Geist und Scharfsinn seinen Hörern zu vermitteln, und man hat seine Freude an den blitzenden, funkelnden Waffen, die hier auf tauchen. Man wird ihm gerne folgen, auch wenn man nicht in allen Punkten der Auslegung des Schriftwortes mit ihm sich einverstanden erklären kann. Im Unterschiede von gar manchem andern Prediger scheint mir bei Steckeimach er der Gedanke noch viel liebevoller ausgefeilt zu sein als die Form. Ein Bedenken aber darf nicht unterdrückt werden. Die Philo- Sophie auf der jüd. Kanzel in allen Ehren, aber sie muß sich weise Maßhaltung auf erlegen, wenn überhaupt die bunt zusammengesetzte Zuhörerschar ihr folgen soll. Auch die Großgemeinde wird in dem religiös gerichteten Publikum das rein religiöse Element zu pflegen haben, wissenschaftliche Vorlesungen sucht man nicht in der Synagoge. Mit Abstraktionen, deren wir doch eigentlich genug haben, nützen wir unserer Sache nichts. Darum muß der in Nr. 1. gemachte Versuch, der eine Widerlegung der Naturwissenschaft durch die Reiigion anstrebt, abgelehnt werden. So verlockend derartige Themen sind, so sehr müßte der Prediger ihnen widerstehen, denn man wird beobachten, daß das Publikum viel zu oberflächlich unterrichtet ist, um einer so wissenschaftlichen Deduktion wie hier nachdenklich nachzugehen, und die wirklich Sachkundigen werden dadurch sicher nicht gewonnen, sondern eher noch sich peinlich berührt fühlen. Das aber ist nur eine Ausstellung prinzipieller Natur, über die eine Klärung notwendig ist. Ich zweifle nicht, daß die Sabbathpredigten den Dank der zahlreichen Verehrer des angesehenen Kanzelredners erwerben werden. Marianne Mühsam hat aus dem Nachlasse ihres Mannes, des ehemaligen Rabbiners in Graz, drei Bande Predigten herausgegeben. Dem ersten Bande geht eine kurze biographische Würdigung Mühsams voran, die auch seine Tätigkeit als Prediger charakterisiert Es ist erfreulich, aus dem gedruckt vorliegenden Material dieses Urteil bestätigen zu können. Mühsam, wie aus mancherlei Bernerkungen zu ersehen, ein streng konservativer Mann, hat seine Predigten wie ein echter Volkslehrer — das stolzeste Zeugnis, das ein Prediger sich erringen kann ־— ungekünstelt und ungesucht auf gebaut, immer bemüht, den Gedanken des Schrifttextes auszuschöpfen und durch die Haggadah zu illustrieren. Mit Wärme und Innigkeit behandelt er seinen Gegenstand, immer getragen von einem Streben nach Klarheit und Knappheit. So werden sich die Sabbath- und die Festpredigten schnell einbürgern und in der homiletischen Literatur als ein gutes Lehrmittel ständige Beachtung verdienen. Denn Mühsam war ein Mann von vielseitigem Können, dessen Werke den Jüngern