Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 382 (sequence 2)
- Language
- German
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332 Besprechungen. dienen und wissenschaftlichen Charakter zu tragen. Wird auch sicherlieh das gesprochene Wort den Weg zum Herzen finden, so wird doch auch die Predigtsammlung auf Beachtung rechnen dürfen, wenn sie die hier angedeuteten Voraussetzungen in angemessener Weise erfüllt. Um so eher, je weniger aufdringlich sie ihre Tendenzen hervorkehrt, denn es ist selbstverständlich, daß divergierende, religiöse Anschauungen auch in der Predigt ihren Ausdruck finden. Es ist ein Beweis für den Reichtum des Judentums, wenn davon ein Verhältnismäßig seltener Gebrauch gemacht wird, für die Fülle seiner Gedankenwelt und für den versöhnlichen Geist, der auf seinen Kanzeln in Milde waltet. Erfreulich ist, dies bei Predigtsammlungen aus verschiedenen Lagern konstatieren zu dürfen. Für Fanatismus ist bei keiner von ihuen Raum. Bedenklich aber bleibt, daß ausnahmslos von allen die Gelegenheit benützt wird, um über das Verhalten der Zuhörer im Gottesdienste Klage zu führen. Daran hat offenbar die Emanzipation, die sich doch nun an der Jahrhundertfeier ihrer selbst rühmen darf, nichts geändert. Orgelfreunde und Orgelgegner sind ungehalten über unzureichende Andacht. Das gibt zu denken. Immerhin sollte man meinen, daß solchen mehr internen Angelegenheiten in Predigtbüchern kein besonders großer Raum zugestanden werde. Um so mehr befremdet es, wenn Zuckern! and ei sein Herz in kräftigster Weise ausschüttet und dabei recht derb und drastisch wird. Die Cha־ rakteristik seiner Zuhörer, S. 3133—־, mag sehr treffend und angebracht sein, aber hier verläßt m. E. Z. die Grenze, die dem Prediger nun einmal zwischen ernster Ermahnung und sicherem Takt gezogen ist. Die Schilderung ist zu durchsichtig, wenn auch nicht bestritten wird, daß sie außerordentlich geschickt in den Zusammenhang — Z. behandelt in einer Peßachpredigt das beliebte Thema der vier Menschenklassen — verwebt worden ist. Sonst versteht es der gelehrte Talmudist, sein umfassendes Wissen formgerecht und stilgewandt zu verarbeiten, und das Büchlein wird sicher seinen alten Freunden neue zugesellen. Nicht die großen Probleme sind es, die ihn auf der Kanzel beschäftigen, sondern die einfachen, natürlichen Fragen, die jeden Einzelnen bewegen, die weiß er schlicht dar zu״ stellen und zu umrahmen. Hier spricht nicht der große Gelehrte, sondern der köstliche naive Glaube eines unbefangenen, tief religiös gestimmten Herzens. Dagegen liebt es St eck el mach er, in seinen Sabbathpredfgten zum ersten Buche Mose das streng wissenschaftliche Denken mit Erfolg und Glück in seine religiösen Betrachtungen und Erörterungen hineinzuziehen, wie aus seinen früheren Veröffentlichungen bekatsnt ist. Er hält sich nicht an die strengen Gesetze der Homiletik,