Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 14)
- Language
- German
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270 Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden. Die Resultate davon hoffe ich binnen Monatsfrist gehorsamst einsenden zu können. Betreffend die gnädigst in Aussicht gestellte Möglichkeit, meine persönliche Mitwirkung in Anspruch zu nehmen, erkenne ich hoch» dero huldreiche Geneigtheit mit innigstem Danke, und es wird mir jederzeit zur Freude gereichen, mich derselben würdig zu zeigen. Meine gegenwärtige Stellung befriedigt in jeder Beziehung meine Wünche, sie bietet mir vielfache Gelegenheit, auf die Jugend und das Volk wohlthätig zu wirken, und zugleich der Wissenschaft einigen Fleiß zuzuwenden. Dennoch würde ich gern einem höhern Rufe folgen, welcher die Aussicht darböte, in einem umfassenden Wirkungskreise noch größere Energie zu entwickeln und die vieljährigen Erfahrungen in ausgedehnterer Skala anwenden zu können, wobei mir noch die Kenntniß der Russischen Sprache zu Statten käme. Ew. Exellenz gedenken der mit der beabsichtigten Reform verbundenen Schwierigkeiten. So groß diese aber auch sein mögen, so werden solche durch den von Ew. Exellenz dem Werke zu ver״• leihenden weisen Organismus bald beseitigt werden. Zur Herbei- Schaffung guter Subjekte für die Schulen ist genügende Aussicht vorhanden, zumal wenn erst manches Nähere bekannt ist, und namentlich diejenigen Notabilitäten, welche in die oberen Stellen einzutreten bestimmt sind, unter deren Einfluß oder Autorität die meisten stehen werden. Denn die bedeutsamem Hemmungen eines segensreichen Wirkens unter den Hebräern liegen nicht sowohl in der bisherigen Vernachläßigung aller Bildung, als vielmehr in der eigenthümlichen durch die bisherige Schriftgelehrsamkeit bedingten Richtung der Denk- und Lebensweise, welche einer geregeltem Erziehung, wenn auch sich fügt, doch innerlich fanatisch widerstrebt. Zur Überwindung dieser innern Schwierigkeiten bedarf es Männer, welche nicht nur durch Gelehrsamkeit imponieren, sondern auch mit reifer Erfahrung, Entschiedenheit des Charakters, Sicherheit des Blickes, umsichtige Besonnenheit und vorzüglich einen treffenden Takt verbinden, um den gesetzlichen Bestimmungen Nachdruck zu geben und zugleich die Herzen zu gewinnen und täglich mehr Kräfte zum Gedeihen des Ganzen anzuregen. Dadurch wird es nachmals den zu errichtenden Seminarien oder leitenden B e h ö rd e n leicht, Ew. Exellenz großartigen Bau zu vollenden, welcher übrigens noch einer unendliehen Zahl von Arbeitern Beschäftigung darreicht. Denn Ew. Exellenz weit hinschauenden Blicken ist es offenbar, daß durch Errichtung der Schulen allein die Hebräer den ge-