Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 7)
- Language
- German
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Die russische Regierung und die westeuropäischen Jaden. 263 eine Zukunft, wie sie sie in Deutschland nicht finden werden. So groß auch die Zahl immer sein mag, so verschieden auch die individuellen Bildungsstufen sein mögen, hier wird ein jeder volle Beschäftigung haben«, usw. Die jüdischen Aufklärer in Rußland mußten mit der rechtlosen Lage ihrer Glaubensgenossen rechnen. Durch zahllose Bande mit dem jüdischen Volke verknüpft, kannten sie die national-religiösen Stimmungen der Massen, die einerseits durch die bürgerliche Rechtlosigkeit und Abgesondertheit von der allgemeinen Kultur, andererseits infolge der falschen Lehren des Talmud erzeugt waren, nicht unberücksichtigt lassen. Es war ihnen unter den gegebenen Verhältnissen unmöglich, offen zu erklären, daß die unwissenden Rabbiner die Idee des Talmud entstellt hatten. Den westeuropäischen Juden dagegen, die der russischen Judenheit in ihrer altväterlichen Abgesondertheit fremd gegenüber standen, war es ein leichtes, den Talmud offen anzugreifen. Und doch wagten weder die Einen noch die Anderen als entschiedene Gegner des Talmud aufzutreten. In seiner Denkschrift über die Schulreform (1841) erklärte Uwaroff, die Gründung der Schulen bezwecke freilich den Einfluß des Talmud abzuschwächen; der Unterricht desselben müsse aber notwendig, wenn auch nur provisorisch, dem Schulprogramme eingefügt werden und dies nicht nur zur Beruhigung der Juden überhaupt, sondern schon aus dem Grunde, weil sogar unter den aufgeklärten Juden, die als Lehrer bereit waren, den Talmudisten entgegen zu arbeiten, keiner entschlossen genug war, »sich vorzeitig als Gegner der Talmudisten zu erklären«. Dennoch wären die deutschen Juden ebenso wie die jüdischen Aufklärer in Rußland bereit, sich der Förderung der russischen Regierung im Kampfe mit dem jüdischen Obscurantismus zu bedienen und gewillt, mit ihr Hand in Hand zu gehen. In der erwähnten Denkschrift bemerkt Uwaroff, daß das Lehrpersonal mit österreichischen, bayrischen und