Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 6)
- Language
- German
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262 Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden. Das Interesse, welches die deutschen Juden seinen Bestrebungen entgegenbrachten, nährte seine Hoffnungen, — es schien ihm, daß ihre Anteilnahme sich nicht nur darauf beschränken werde *literarische Erzeugnisse zu Gunsten ihrer Stammesgenossen zu sammeln«. Der Gedanke an die Mittel zur Verwirklichung der Reform beschäftigte ihn in hohem Maße. Er hegte den Glauben, daß die westeuropäischen Juden ihm dabei behilflich sein würden. Lilienthal mußte natürlich angesichts des Umstandes, daß es in Rußland nur einen einzigen Juden Salomon Salkind gab, der zu pädagogischer Tätigkeit befähigt war, ganz besonders Uwaroffs Aufmerksamkeit auf die westeuropäischen Juden lenken; er versicherte den Minister, daß es im Auslande ein leichtes wäre, dreißig Männer aufzubringen, die, ihm an Alter und Bildung gleich, vom Wunsche beseelt wären, die Bestrebungen der Regierung zu verwirklichen. Er empfahl dabei, für die zukünftigen Schulen die Bibelübersetzung von Philippson und Herxheimer anschaffen zu lassen. Uwaroff stimmte bei und so kam es, daß noch bevor eine offizielle Sanktion zur Berufung auswärtiger Juden erteilt wurde, in den »Israelitischen Annalen« von Jost (1841, 12. März, Nr. 11) ein Auszug aus einem privaten Briefe Lilienthals erschien, worin letzterer den Plan zur Gründung von 200 Schulen für Juden in Rußland entwickelt. »Allein«, sagt Lilienthal, »die Männer fehlen, denen diese Anstalten vertraut werden sollen; Rußland hat sie nicht, Deutschland soll* sie liefern. Männer, die sich dazu berufen fühlen, bitte und fordere ich auf, an dieses große und heilige Werk Hand zu legen. Als Staatsdiener angestellt, vom Staate besoldet, gegen eine blinde Opposition durch ihn geschützt, erwartet sie hatte Uwaroff in Leipzig den aus Odessa gebürtigen Schriftsteller Wilhelm Wolfsohn kennen gelernt, der Uwaroff sein Werk »Die schönwissenschaftliche Literatur der Russen« (Leipzig, 1843) widmete.