Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 257 (sequence 1)
- Language
- German
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Die russische Begierusg und die westeuropäischen Juden. (Zur Schulreform in Rußland 1840—44). Nach arctaivalischen Materialien. Von Julius Hessen. I. Im Jahre 1772 erblickte Rußland zum ersten Male, infolge der ersten Teilung Polens, die Juden in der Zahl seiner Untertanen; bis dahin hatte es sie nur als Qäste gekannt. Mit einem Schlage wurden nun die Juden, die in Polen eine abgesonderte Gruppe bildeten, die zur einheimischen Bevölkerung im Staats- und Gesellschaftsleben in keinerlei Beziehungen stand, Bürger des russischen Reiches; sie wurden den Handels- und Gewerbeständen einverleibt, dem Kaufmannsstand und dem Kleinbürgertum, und erhielten dementsprechende Rechte. Aber schon bald darauf verbreitete sich die Ansicht, die Juden seien im Wirtschaftsleben ein schädliches Element und ihrer sittlichen Eigenschaften wegen den Christen sogar gefährlich. Zur Bekämpfung der ökonomischen Tätigkeit der Juden, griff die Regierung darum zu Abwehrmitteln, und zwar zu einer strengen repressiven Gesetzgebung, die sich jedoch bald als unzweckmäßig erwies. Zur Hebung des geistigen Niveaus der jüdischen Bevölkerung gedachte jedoch die Regierung mit entschiedenen Maßregeln vorzugehen. Infolge einer ganzen Reihe historischer Verhältnisse, wie sie sich in Polen gestaltet hatten, lebten die Juden in Rußland in national-religiöser Absonderung. Daher konnte Monatsschrift, 57. Jahrgang, 17