Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 237 willkürlich diese Konstruktionen sind, mag der Hinweis beleuchten, daß Fishberg gewisse Augenfehler, die bei Juden gehäuft Vorkommen, aus der häufigeren Verwandtenehe ableitet, trotzdem aber Epilepsie, die unzweifelhaft mit Konsanguinität zusammenhängt, bei ihnen sehr selten ist. Der jüdische »Typus« im allgemeinen, d. h. Physiognomie, Körperhaltung und dergl. ist nach der Meinung des Verfassers ein Produkt sozialer Auslese, nicht anthropologisches Rassenmerkmal. Unter Armeniern, Griechen und Italienern sei jener »jüdische Typus« ebenso häufig oder noch häufiger als bei den Juden. Andererseits verschwinde er nach Verlassen des Ghetto’s schon in der ersten Generation. Grade diese letztere Behauptung dürfte auf lebhaften Wiedersprach stoßen. Nicht bloß erhält sich in. gewissen Judenfamilien, nämlich denen, die von vornherein ausgeprägten Typus aufwiesen, eben dieser trotz stark verbesserter sozialer Lage, sondern die bekannte Tatsache, daß Juden ihresgleichen, ohne kaum je za irren, zu erkennen vermögen, wird durch die entgegengesetzten Erfahrungen des Verfassers in New-York nicht wiederlegt. Besonders wichtig ist das Schlußkapitel mit den »historischen Beweisen« für die Rassenmiscbung innerhalb des Judentums. Will man selbst zugeben, daß in der biblischen sowie in der griechisch-römischen Periode Mischehen mit Nichtjuden in erheblicherem Maße stattgefunden haben, so schwebt doch alles, was Verfasser von Proselytenmacherei im Mittelalter, vom Bekehren nichtjüdischer Sklaven, vom Zufluß fremden Blutes durch Schändung jüdischer Mädchen und dergl. herbeizieht, völlig in der Luft. Hätten wirklich dauernd Mischungen in das Judentum hinein (und nicht bloß aus ihm heraus) stattgefunden, so müßten die »Kohanim«, die Nachkommen Aharon’s, denen jede Mischehe verboten war, Abweichungen vom Typus der übrigen Juden zeigen. W eissenber g bewies, daß dies nicht der Fall ist und lieferte somit vielleicht die bündigste Widerlegung des F i s h b e r g’schen Buches. A. Crzellitzer Berlin.