Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 236 (sequence 1)
- Language
- German
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Besprechungen. Dr. Maurice Ftehberg. »Die Rassenmerkmale der Jaden.« München bei Ernst Reinhardt 1912. Preis M 5,— Obgleich der Verfasser seinen Vorgängern auf dem Gebiete der Jaden-Anthropologie ausdrücklich Voreingenommenheit vorwirft, ist auch sein Buch eine reine Tendenzschrift geworden. Er will die These beweisen,daß die Juden keine einheitliche Rasse darstellen, vielmehr fast standig Rassenmischung mit den Wirtsvölkern stattgefunden habe. Der Verfasser erörtert zunächst die anthropologischen Einzelmerkmale,wie Hautfärbe, Haarfarbe, Augenfarbe, Schädelform, Körpergröße und zeigt, daß bei den Juden alle möglichen Varianten Vorkommen. Die Vorstellung vom Juden als einem »kleinen, schwarzhaarigen Menschen mit dunklen Augen, rundem Schädel und krummer Nase« stimmt nicht oder doch nur für einen Teil derselben, der übrigens je nach dem Wohnort verschieden ist. So gibt es in Afrika schwarze vom reinen Negertypus, in Asien schwarze und gelbe (mongoloide), aber gar keine blonden Juden. In Europa, speziell in Nordeuropa steigt der Prozentsatz der Blonden von 5% (Italien) auf 13% (Russland) bis zu 25% (England.) Im allgemeinen entspricht die Verteilung der Blonden derjenigen der Wirtsbevölkerung. Der gleiche Parallelismus gilt für die Verteilung der Kopfformen (Lang- und Kurzschädel), der Körpergröße u. a. m. Verfasser lehnt aber dieMilieuwirkung als Erklärung hierfür ab, weil nach seiner Meinung experimentelle Beeinflussung jener Merkmale durch Milieuänderung noch nicht exakt nachgewiesen sei. Tatsächlich aber fehlen hier alle Erfahrungen über genügend lange Milieuwirkung, und mit der Beobachtung zweier oder dreier Generationen ist eben gar nichts anzufangen. In weiteren Kapiteln geht der Verfasser eine Reihe biologischer Eigenschaften wie Dauer und Art des Wachstums, der Menstruation, der Fruchtbarkeit, der Anpassung antremes (tropisches) Klima, sowie pathologischer Merkmale (Verhalten gegenüber konstitutionellen und akuten Krankheiten und Gebrechen) durch. Überall konstatiert er fehlende Übereinstimmung unter den Juden, wohl aber Parallelismus zur Wirtsbevölkerung, soweit diese sich in gleicher sozialer und kultureller Lage befinden. So soll die fraglos bestehende Neigung der Juden zu Nervenleiden rein aus der Lebensweise (psychische Insulte bei den immer wiederholten Verfolgungen!) erklärt werden. Wie