Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 2 · p. Seite 151

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 2
Article
Christliche Talmudforschung
Date
1913-01-01
Page
Seite 151 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829851-2829854-2892036--40257-2892084
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Christliche Talmudforschung. 151 Eides der Treue? Oder hat die Ethik des Christentums es zu verhindern vermocht, daß die reservatio mentalis eine Hauptlehre und der Probabilismus eine Grundlehre der christlichenMoraltheologie bildet?1) Es ist aber die sonderbarste Selbstironie, wenn christliche Theologen zur Beschimpfung des Judentums sich des Ausdruckes »jesuitische Heuchelei« bedienen. Sind etwa die Jesuiten ein jüdischer Orden und nicht diejenigen, die durch Jahrhunderte das Christentum beherrschten und zum Teil noch heute beherrschen? In der Tat ist es ganz unbegreiflich, wie christliche Theologen den Mut aufbringen, vereinzelte Fälle von InkorrektheitenSchwereres können sie beim besten Willen nicht finden — bei berufenen Vertretern des Judentums herauszustöbern und danach das Judentum zu verurteilen. Sie suchen im Judentum den Splitter und vergessen ihres eigenen schweren Balkens. Sie vergessen auch die Mahnung Jesu:2) »Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet, *) VgL Hoensbroech, Papsttum II, Register v. Mentalrestriktion, Wahrhaftigkeit, Eid, Meineid. Im Vorwort, S. VII—VIII, bemerkt der Verfasser in Bezug auf die Wiederholung der Zeugnisse: »Ich will dadurch die wichtige Tatsache zum Bewußtsein bringen, daß die angeführten moraltheologischen Lehren nicht etwa bloß — wie ultramontane Schriftsteller vielfach glauben machen wollen — das Erzeugnis einzelner Köpfe sind, sondern daß sie Gemeinbesitz — Gemeingut kann man hier nicht sagen — aller Richtungen, aller Schulen innerhalb der katholischen Moralthologie und, was besonders zu beachten ist, aller Jahrhunderte sind, kurz: daß diese Stimmen nicht die Stimmen von Moraltheologen, sondern daß es d i e Stimme der katholischen Moraltheologie selbst ist; eine Stimme, die gleichklingend ertönt in Frankreich wie in Spanien, in Deutschland wie in Italien, in England wie in Amerika, aus den Kreisen der religiösen Orden (Jesuiten, Redemptoristen, Kapuziner, Dominikaner, Franziskaner, Benediktiner, Augustiner) wie aus dem Weltklerus, vom Bischofssitz wie vom Katheder herab, im 11., 12. und 13. wie itn 18., 19. und 20. Jahrhundert. Immer das Gleiche, Unwandelbare nach Inhalt und Form!« s) Mat, 7, 1 «2״.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.