Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Christliche Talmudforschung
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 129 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829851-2829854-2892036--40235-2892062- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Christliche Talmudforschimg. Von V. Aptowitzer. (Fortsetzung). 8. »Der Segen soll böse Wirkungen der Speise fernhalten«. Ähnlich S. 57: »Das Tischgebet sollte dämonische Einflüsse abwehrön, die man in den Speisen fürchtete«. Ferner S. 76: »Rauchwerk dient zur Vertreibung der Dämonen; so bedarf es der Segnung«. — Ja, die Dämonen. Sie treiben in der Religionsgeschiehte ihren grausigen Spuk. Wenn ein Religionsgeschichtler etwas nicht verstehen kann oder will, da meldet sich sofort irgend ein hilfsbereiter »böser Dämon«, der bereitwilligst die Verantwortlichkeit für diese und jene religiöse Handlung auf sich nimmt. Vielleicht versuchen die modernen Kakodaimonisten und Schedologen folgende Fragen zu beantworten: 1. Um die bösen Wirkungen der Speisen fernzuhalten, muß der richtige »Gottesname« gesprochen werden. Der Dämon der Baumfrucht läßt sich also durch den »Gottesnamen« über Bodenfrucht nicht einschüchtern, und der Dämon der Bcdenfrucht fühlt sich durch den »Gottesnamen« über Baumfrucht nicht im geringsten getroffen. Die Rabbinen wußten es also ganz genau, daß gegen jeden bösen Geist eine besondere Kugel gegossen, gegen jeden Dämon ein besonderes Maschinengewehr gerichtet werden muß. Trotzdem lehren sie1), daß auch der allgemeine »Gottesname« »durch dessen Wort alles entstanden« genügt; die Dämonen ergreifen also schon bei einem blinden Schuß die Flucht. Mit ihrer Tapferkeit ist es also gar nicht weit her, und ihr kecker Mut erweist sich als ף Ber. VI, 2. Monatsschrift, 57. Jahrgang. 9