Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1912-01-01
- Page
- 546 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine unbekannte jüdische Sekte. Von :Louis Ginzberg. (Fortsetzung.) 11, 22—12,1: ובהרע חצוצרות ... קודש הוא. S, verzichtet: auf eine Erklärung dieser Stelle, die er für ganz Unverstand' lieh hält. Bei näherer Betrachtung ergibt sich jedoch ein ganz befriedigender Sinn. Wie wir nämlich aus Tarnid VII, 3 erfahren, schloß der eigentliche Opferdienst im Tempel damit, daß zwei Priester das Finale bliesen, worauf dann der Sängerchor der Leviten den Gesang begann und das Volk sich niederwarf, um Gott anzubeten. Ben Sira beschreibt den Schluß des Opferdienstes in folgenden Sätzen: »Bis daß er den Dienst am Altar vollendete ... da posaunten die Söhne Aarons . . . mit gewaltigem Schall... Alles Fleisch beeilte sich und sie fielen auf das Angesicht zur Erde, sich niederzuwerfen vor dem Höchsten, vor dem Heiligen Israels«1). Es ist eben diese von Ben Sira und der Mischnah erwähnte Sitte, nach dem Posaunenschäll das Gebet anzufangen*), von der hier gesprochen wird, und unsere Stelle ist wie folgt zu übersetzen: »Und wenn die Posaunen erschallen, muß die Gemeinde sich schon l) 50,14—17. Vgl. meine Randglossen zum hebr. Ben Sira 17. *). Das Niederwerfen war mehr als eine äußere Zeremonie, wie die Worte Ben Siras deutlich beweisen: »und es brach das ganze Laienvolk in Gebet aas vor dem Erbarmer«, so daß man mit Recht den Posannenschall als Signal zum Beten betrachten kann. Daher folgt auch im Gottesdienst der Synagoge — Meg. 22 b; Bab. mez. 59 b — anf die Amidah, welche bekanntlich dem Opferdienst im Tempel entspricht, die Zeremonie der נפילת אפיים zur Verrichtung der pri» vaten Andacht.