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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 5 · p. Seite 515

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 5
Article
Siegfried Kapper als Ghettodichter
Date
1912-01-01
Page
Seite 515 (sequence 3)
Language
German
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Siegfried Kapper als Ghetto dichter. 515 Wien als Hörer der Medizin. Dort wurde er durch Moritz Hartmann und Ludwig August Frankl in den Kreis der jungen Wiener Poeten eingeführt. Wichtig für ihn war der Verkehr mit dem berühmten Sammler serbischer Volkslieder Vuk Stefanovic Karadzic und mit Wenzel Nebesk#. Ersterer impfte ihm das Interesse für serbische Volksdichtung ein, letzterer war es, der in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts mit Hilfe Kappers eine Annäherung der Tschechen und Juden in Böhmen herbeiführen wollte1). Am 2. Januar 1847 wurde er auf Grund seiner »Dissertatio de Fonte Constantino-Gleichenbergensi« zum Doktor der Medizin promoviert. Noch im selben Jahre ging er nach Karlstadt in Kroatien, um sich dort als Arzt niederzulassen. Doch blieb er nicht länger als ein Jahr, denn schon im Februar 1848 war er wieder in Wien, wohin ihn das Sturmjahr 1848 lockte2). Seine Gedichtsammlung »Befreite Lieder dem jungen Österreich«, die Anastasius Grün gewidmet ist, gibt Zeugnis davon, daß er im Mittelpunkte der Studentenbewegung stand. Im Jahre 1849 war Kapper als Journalist tätig, die folgenden 3 Jahre verbrachte er auf Reisen durch die südslavischen Länder, durch Deutschland und Polen, ln dieser Zeit versuchte er auch, in Karlsbad und dann in Wien seine ärztliche Praxis aufzunehmen, doch ohne Glück, denn schon 1854 finden wir ihn als praktischen Arzt in Dobriä bei Prag. Als solcher heiratete er im Jahre 1854 Moritz Hartmanns Schwester Anna. Kapper war nun zwar in Dobrfö als Arzt viel beschäftigt, aber schlecht honoriert, so daß er gezwungen war, sich in der Schriftstellerei einen Nebenverdienst zu suchen. Dobr1§ war allerdings nicht der Ort, wo er sich mit Erfolg literarisch betätigen konnte, und so war er stets auf dem Sprunge, seine Praxis י) Näheres darüber siehe Archiv für slavische Philologie,, Band XXXI, S. 426 ff. *) Siehe Archiv für slav. Phil. XXXI, S. 435. 33'

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