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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 494

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
Date
1912-01-01
Page
Seite 494 (sequence 17)
Language
German
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494 Die Grundlagen der jüdischen Ethik. eher Klarheit Mitleid selbst mit den Viehheerden«, hebtr Philo1) hervor. Die jüdische Religion ist demnach die erste־,; die den Tieren hat Schutz angedeihen lassen. Dagegen predigt die christliche Religion nicht im geringsten Tierschütz. Eigenartig erscheint es uns Juden, wenn wir im־ Neuen Testament2 *) lesen, daß Oott nicht für die Tiere sorgt. Deshalb hat auch Schopenhauer gesagt: »Daß die Moral des Christentums die Tiere nicht berücksichtigt, ist ein׳ Mangel desselben«. Als das jüdische Volk noch einen Staat bildete, mußten diejenigen heidnischen Ausländer, die im־ jüdischen Lande das ständige Wohnrecht haben wollten,, die sogenannten sieben noachidischen Gesetze beachten.. Eines dieser sieben Gebote lautete, daß man von einem lebenden Tiere kein Fleisch ausschneiden dürfe9). Solche Tierquälerei, die damals unter manchen heidnischen Völkern üblich war, verbot also das jüdische Gesetz sogar dem heidnischen Ausländern im jüdischen Lande. Selbst die Vorschriften über das Schächten der Tiere sind zur Läuterung des Menschen gegeben4). Durch das jüdische Schächtverfahren, nach welchem ein im Schächten geübter Mann mit einem haarscharfen Messer, das nicht die geringste״ Scharte haben darf, die Luft- und Speiseröhre des Tieres in einem Zuge durchschneiden soll, werden dem Tiere am wenigsten Schmerzen verursacht. Es ist hier nicht der Ort, die gesamten Materialiensammlungen, die ich auch zu andern Kapiteln der Ethik liegen, habe, auszuschütten. Sollte ich genügend Muße finden, so gedenke ich, dereinst mit Gottes Hilfe nach den hier gegebenen Proben eine jüdische Ethik zu bearbeiten. Ich. 1j Philo, übers, v. L. Cohn, Breslau, 1910, Bd. II, 354. >) 1. Kor. 9, 9. 9) Sanhedrin 56 a. 4) Bereschit rabba Par. 44.

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