Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden in der Marienlegende
- Date
- 1912-01-01
- Page
- 385 (sequence 1)
- Language
- German
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Die laden in der Harienlegende. Von Heinrieh Loewe. (Fortsetzung). Nach Valentinus Leuchtius (Viridar. Histor. 99.) berichten Scherer und Gumppenberg1), daß bei Würzburg um 1500 eine Buche stand, nahe einem öffentlichen Wege, den kein Hebräer betreten konnte. Durch eine geheime Macht werden sie zurückgetrieben. Einer ist frech genug, trotz dieser geheimnisvollen Kraft bis zum Baume vorzudringen und ein dort von ihm entdecktes, unter Zweigen und Blättern verborgenes Bild der Gottgebärerin mit schnell gezücktem Schwerte unter dem Rufe »Mir und den Meinen vertrittst du den Weg« eine Wunde beizubringen, die nach Leuchts Bericht noch zu seiner Zeit gezeigt wird. Das Bild schrie so, daß der Jude starr vor Entsetzen so lange unbeweglich stehen blieb, bis Leute ihn überraschten, die das Irische Blut auf des Schwertes Spitze sahen und ihn dem Richter überantworteten. Der Baum wurde später ausgerodet und an selbiger Stelle für das dort so gefundene Bild die Wallfahrtskirche zur Buchen (ad Fagum, Mariabuchen) errichtet. Das wundertätige Bild hat auf der Stirn eine Wunde von einer Unze Länge. Besonders interessant für die Herkunft von Legendenmotiven ist hier der Umstand, daß der Übeltäter, der das Bild verwundet wie die Reliquienfrevler des klassischen Altertums den Ort seiner Schandtat nicht zu verlassen vermag, bis er von gläubiger Hand ergriffen wird. Diese *) Heinr. Scherer: Atlas Marianus P. 3, 1702, S. 87 f. Gail. -Gumppenberg a. a. O. S 364 f. Monatsschrift, 56. Jahrgang״ 25