Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 381 (sequence 1)
- Language
- German
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Besprechungen. 381 Levy, Dr. Moritz, Die Sephardim in Bosnien. Ein Beitrag zur Oesch.d. Juden auf der Balkanbalbinsel. Mit 29 Illustr. Sarajevo 1911. (VIII, 128 S.) 8. Dieses kleine Werk erhebt nicht den Anspruch, eine Geschichte der Juden in Bosnien zu bieten, sondern nur Materialien für eine solche Geschichte zu enthalten, Es ist nur >ein Beitrag zur Geschichte der Juden auf der Balkan-Halbinsel«. Trotzdem enthält es reichhaltiges Material über einige wichtige historische Ereignisse, über die bürgerliche Stellung der Juden, über ihren Handel und dessen Beziehungen und manche andere [hervorragende Momente, z. B. den Bau des Ghetto und des Tempels in Sarajevo. Dieses Material schöpfte der Verf. aus den S i d s c h i 1 e n genannten Protokollen des türkischen Gerichtes in Sarajevo, die sich auf den Zeitraum 1652—1849 erstrecken, jedoch nicht vollständig erhalten sind, ferner aus den Ge^ meindeprotokollen (Dp3D), die mit 1720 beginnen und bis 1888 reichen. Selbstredend beleuchten diese beiden Quellen in erster Reihe die Verhältnisse der Gemeinde Sarajevo. Ähnlich waren die Verhältnisse der Juden gewiß in den meisten türkischen Ländern. In Bosnien selber war Sarajevo lange die einzige jüdische Gemeinde Um die Mitte des 18i Jahrhunderts wird auch die Gemeinde in Travnik erwähnt. Nach Bosnien kamen die Juden aus dem Venezianischen, denn V en e di g blieb (nebst Belgrad) der Ein- und Verkaufsplatz für die Sarajevoer Kaufleute bis zum XIX. Jahrhundert. Nachher übernahm diese Rolle Wien. In Großen und Ganzen lebten die Juden ungestört in Bosnien, wie im Allgemeinen in der Türkei. Kamen Erpressungen vor, und es gab solche, so entsprangen diese nicht dem Hasse oder der Feindschaft der heimischen Bevölkerung sondern der Habsucht zumeist fremder Statthalter (Osmanen) oder Valis. Im Erwerbsleben gab es auch keine Einschränkungen, in der Gerichtsbarkeit unterlagen sie der eigenen Behörde. Gleich den anderen Nichtmohammedanerh waren sie von den Ämtern und dem Militär ausgeschlossen. Die obengenannten Quellen geben sehr genaue, oft überaus ausführliche Berichte insbesondere über Dinge, die mit Geld Zusammenhängen, die türkische Quelle überbietet manchmal die Schreibseligkeit unserer Bureaukratie, denn sie enthält 5—6 größere Protokolle und Referate über ein und dieselbe Angelegenheit. Wir wollen manches Interessante hervorheben. Die Einwanderung der Juden in Sarajevo fällt um die Mitte des XVI. Jahrhunderts. Schön drei Dezennien danach baute auf Wunsch der Moslemen Sia wusch-* Pascha den Juden ein Ghetto, wofür sie jährlich 120—150 Groschen (20—25 Kronen) Mietszins zu entrichten hatten. Die Nutznießung dieses Mietszinses bestimmte er seinen Nachkommen« Daraus entstanden