Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 380 (sequence 2)
- Language
- German
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330 Besprechungen. Graeiz. Er sieht im alten, törichten König 4,13 Hyrkan II., in Herodes den Jüngling, in Antigonus den »zweiten jungen Mann.« Herodes war aber nicht arm, darum muß Gerson מסכן mit »niedrig geboren« übersetzen, er war auch im J. 37, auf welches 4, 13 anspielen soll, kein Jüngling mehr, darum korrigiert Gerson die Angaben des Josephus über das Alter,’ das Herodes erreichte, למלוך soll nicht wirklich »herrschen« bedeuten, sondern ironisch gemeint sein und sich auf den alten König beziehen. Hyrkan II. kehrte aus dem Gefängnis (aus Babylon) zurück, um zu »herrschen«, d. h. wie Gerson meint, ein Scheinkönigtum neben Herodes zu führen. Diese ganze gezwungene Kombination, zu deren Gunsten auch anderen Stellen des Buches (z. B. 2,12) Gewalt angetan wird, fällt schon vor der Tatsache zusammen, daß Kohelet bereits Ben Sira Vorgelegen hat, wie Scheelster, Wright und zuletzt Nöldeke (ZAW. 1.900,'S. :90 ff) gezeigt haben. Das Buch Kohelet ist zweifellos in der zweiten Hälfte des dritten vorchristlichen Jahrhunderts verfaßt, das Ereignis in 4,13^-16 deckt sich bei richtiger Exegese genau mit den Vorgängen des Jahres 246, wie ich in meinem Kommentar nachgewiesen zu haben glaube. In exegetischer Beziehung findet sich neben manchem Unrichtigem (so 2, 3.12. 16. 23; 3,12.18; 4,17; 5,7; 6,12; 9,1 u. a.) auch Gutes, das von originellem Denken und kritischem Blick zeugt. Vortrefflich ist z. B. die Übersetzung von 7, 28 u. 29: Was ich noch suchte, aber nicht fand: »Einen Mann faab ich gefunden aus Tausend, aber ein Weib habe ich unter diesen allen nicht gefunden.« Sieh, nur das habe ich gefunden, daß Gott den Mann geradsinnig geschaffen, jene (die Weiber) aber suchen viele Künste«. ,אדם אחד וגו ist ein Zitat, das von Kohelet bekämpft wird. Er fand den Satz im Leben nicht bestätigt, wahr erscheint ihm nur jene zweite Erfahrung, die von der Neigung des Weibes zum Intrigieren spricht. Das fünffache מצאתי in 7, 27—29, das sowohl in Kohelets eignen Worten als in denen des Zitats vorkommt, hat die Erklärung erschwert, die (S. 77) überzeugend gegeben wird. Merkwürdig berühren die häufigen Hinweise auf einen Anhang, der fehlt, »weil der Umfang der Schrift nicht über das vorliegende Maß hinaus erweitert werden konnte.« Ist er seitdem erschienen? An der fleißigen Arbeit ist noch die Beherrschung der einschlägigen neueren Literatur als erfreulich hervorzuheben, doch hätte dem Verfasser eine gründliche selbständige Durcharbeitung der alten Versionen, ferner des Talmud, Midrasch und der mittelalterlichen jüdischen Literatur bei kritischer Sichtung noch Manches geboten. Brünn. Ludwig Levy.