Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 3 · p. Seite 343

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 3
Article
Neue Beiträge zur Geschichte der Familie Fränkel-Spira
Date
1912-01-01
Page
Seite 343 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829843-2829847-2891436--39621-2891536
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nene Beiträge zur Geschichte der Familie Fränkel-Spira. 345 Tonarten sang, kein Bedenken trug, mit dem als »gefährlicher Pascha« bekannten Judenrichter eine Verbindung einzugehen. Allein schon durch die kaiserliche Resolution1) vom 6. August 1652 wurde der stark kompromittierte Hirschei Meyer glänzend rehabilitiert, indem er unter anderem von Majestätswegen ein Gewölbe in der innern Stad eingeräumt erhielt und als einziger von den Juden ausdrücklich unter, die Gerichtsbarkeit des Obersthofmarschallamtes gestellt wurde. Er setzte sogar bald darauf seine Ernennung zürn Generalsteuereinnehmer der Landjudenschaft durch und blieb am Hofe und bei der Regierung der allmächtige Mann, um dessen Gunst gar viele buhlten. Nachdem er jedoch als Generalsteuerpächter der Wiener Judenschaft unter Kaiser Leopold I. den Höhepunkt seiner Macht erreicht hatte und diese durch unerhörte Brandschatzungen der ihm mißliebigen Personen mißbrauchte, erfolgte endlich sein Sturz. Wenige Wochen vorher, als die Sonne der kaiserliehen Huld noch über seinem Haupte strahlte, heiratete sein Sohn Koppel Fränkels Tochter. Dieser mochte sich vielleicht durch die Verbindung mit dem allmächtigen »Büttel des Hofmarschallamts«2), ehe das Verhängnis über letzteren hereinbrach, noch besonders geschmeichelt fühlen, obwohl er im Stillen für die Zukunft seines Kindes zittern mochte. Unser Gewährsmann berichtet auch demgemäß: והשידוך בעצמו היה בעל כרחם, da ja der Bräutigam ein Sohn des bestgehaßten .Mannes im Ghetto gewesen. Die Heirat fand am 1. Eiul 5427 statt. Vier Wochen später (am Neujahrstage 5428 11. September 1667) wurde Hirschei Meyer mit noch 7 anderen ins Gefängnis gebracht und sein Vermögen mit Beschlag belegt. Da die Mitgift seiner Schwiegertochter mit eingezogen wurde, erhob letztere gegen x) Vgjp Kaufmann, Letzte Vertreib., S. 51 ff. — Die Identifizie• rung »R. Hirzeis* mit Hirschei Meyer verdanke ich Herrn Dr. B. Wachstein in Wien. s) Vgl. Kaufmann, a. a. O., S. 48.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.