Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Ethik R. Saadjas
- Date
- 1911-01-01
- Page
- 713 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829835-2829842-2891129--39184-2891224- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Von David Rau s. A. (Fortsetzung;.) Wir untersuchen jetzt daher 2, das Gute und das Böse und das Prinzip der Ethik. Die Beurteilung dessen, was gut und böse, was löbiich und schimpflich ist, hält Saadja für eine so allgemeine Tatsache des menschlichen Bewußtseins, daß nach seiner Meinung selbst diejenigen, welche jede sichere Erkenntnis des Wahren und Falschen leugnen, sich ihr nicht entziehen können1). Allein bei näherer Untersuchung finden wir, daß »gut« und »böse« für Saadja selbst durchaus nicht so feststehende Begriffe sind, wie »wahr« und» falsch«. Während er zwei präzise Definitionen von »wahr und falsch«2) gibt, suchen wir eine so bestimmte und allgemein gültige Definition von »gut und böse« bei ihm vergeblich. Das Gute ist ihm indessen so gut wie das Wahre eine Erkenntnis der Vernunft, und es läßt sich nachweisen, daß »gut« und »wahr« bei ihm nicht nur verwandte Begriffe sind, sondern auch daß beide sich oft geradezu decken. Ein feststehender, oft wiederkehrender Satz ist bei ihm die Behauptung, daß »das Wahre gut sei«, oder daß wir durch eine intuitive Erkenntnis wissen, daß »das Wahre gut und l) Emunot I, 36: בכל דבר שיש לו אחרית מבקשים שתהיה אחריתו טובה ולא רעה ... כי מה שהם משבחים המטיבים ומגנים המריעים... מקיים האטתוות. *) das. Einleitung S. 6: »Wahr ist der Glaube (die Ansicht von einem Dinge), wenn man ein Ding so erkennt, wie es ist, falsch