Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 584 (sequence 30)
- Language
- German
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584 Die Wortführer des Judentums in den ältesten hat sich ihm ebensowenig erschlossen, er würde sich sonst «ine so einzige Gelegenheit, über den Juden zu triumphieren, wie das überaus wichtige Zugeständnis Tryphons sie bot, nicht haben entgehen lassen. Daß ein Dutzendphiiosoph,wieTryphon, dem Evangelium Jesu bei aller Anerkennung seiner Vorzüge die praktische Durchführbarkeit abspricht, da es ja einen bis zur Selbstaufhebung führenden Altruismus predigt, darf nicht befremden. Ähnlich wie er, urteilten vor ihm schon weit tiefer und religiöser angelegte Juden, die überdies den großen Vorzug genossen, unmittelbare Jünger Jesu zu sein und den Kommentar zu seinem Evangelium aus des Meisters eigenem Munde zu vernehmen. Man erinnere sich nur an den reichen Jüngling, der mit der Frage an Jesus herantritt, was ihm, der das ganze Gesetz beobachtet habe, noch zu tun übrig bleibe, um des ewigen Lebens teilhaftig zu werden? Auf die Antwort Jesu: »wenn du vollkommen sein willst, so gehe hin, verkaufe was du hast und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben — und komm und folge mir,« geht der Jüngling betrübt von dannen. Aber auch die Jünger Jesu, da sie diese Worte vernahmen, »entsetzten sich sehr und sprachen, ja, wer kann selig werden?« Wenn solches nun am grünen Holze geschah, was sollte man vom dürren erwarten? Daß nun Tryphon sich für ein unerreichbares Ideal, welches nach seiner Auffassung den Menschen zum Tantalus •machen müsse, nicht sonderlich erwärmen konnte, ist leicht begreiflich. Daß aber ein apostolischer Lehrer wie Justin, der durch sämtliche Philosophenschulen gegangen, ohne seinen Durst nach religiöser Offenbarung stillen zu können, bis er schließlich in den windstillen Hafen des Christentums einlief und sich demselben in schwärmerischer Begeisterung hingab, sich stets nur auf der Oberfläche der evanglischen Erkenntnis bewegte, sjph nicht klar werdend über die wahre Bedeutung seines Ideals, für welches er lebt, wirbt und stirbt, sich niemals