Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Steinewerfen in Koheleth 3,5, in der Deukalionsage und im Hermeskult
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 541 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829835-2829841-2890980--39001-2891025- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
in der Deukalionsage und im Hermeskult. 541 Diese Variierung der Strafe nach der Art der Schuld dürfte auch der Steinigung als Bestrafung sexueller Delikte zu- ®runde Liegen. Die Ehebrecherin oder das Mädchen, das nicht mehr keusch in die Ehe getreten war, hatten, symt>01isch gesprochen, durch j»Steinewerfen« sich vergangen, darum sollten sie auch durch Steinewerfen gestraft werden. Angedeutet wird dieser Zusammenhang noch dadurch, daß die Ehebrecherin nackt gesteinigt wurde (Ez. 16, 39). Noch heute wirft bei den Insel-Esten, wenn ein Paar in stupro ertappt wird, der Entdecker sofort einen Stein auf die Stelle und dies wird von anderen wiederholt1). Hier hat sich die Steinigung als symbolische Talion erhalten. Einmal in Aufnähme gekommen, wurde dann die Steinigung auch auf andere Verbrechen angewendet, aber auch in diesen anderen Fällen schimmert das jus talionis noch durch. So dürfte bei der Steinigung des Gotteslästerers (Lev. 24, 14; Deut. 17, 5; 1 K. 21, 10) das Homonym רגם — lästern ffs. Ges. Buhl16) steinigen die Brücke zwischen Schuld und Sühne gebildet haben. So erklärt sich aber auch, warum neben der Steinigung auch Verbrennung sowohl im Hammurabi-Gesetz, als auch ־in der Bibel bei sexuellen Vergehen zur Anwendung kommt, und zwar bei der Unzucht der Priesterstochter Lev. 21, 9 ■und bei Umgang mit einem Weib und ihrer Mutter Lev. 20, 14 Cod. Hammur. § 157, außerdem noch bei Tamar Gen. 38, 24. Auch das Feuer ist bekanntlich Symbol der Zeugung. So bildet auch hier die Art der Bestrafung das Abbild der Schuld. Dasselbe gilt auch von dem einzigen S. 4, Aam. 2, wo Belege aus dem griechischen und römischen Rech angeführt werden. ג) K. Haberland in »Zeitschrift für Völkerpsychologie* Bd. 12, S. 306. Vgl. dazn die Sage, die beiden Steine Asaph und Najlä bei ■der Kaaba seien die Körper eines Frevlerpaares, das von der Gottheit während eines im Tempel vollzogenen Geschlechtsaktes zur Strafe versteinert wurde (Lenormant, Lettres assyr. 11, 235).