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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 4 · p. Seite 511

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1911-01-01
Page
Seite 511 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen, 511 ihrer Lage. Die staatsrechtliche Stellung der Juden wurde unter Friedrich II. juristisch zur Kammerknechtschaft. Doch gestand man ihnen in der Rechtsübung einige Freiheiten — so eigene Notare — zu. Die Steuerpolitik des Staates gegenüber den Juden ist ein Ausfluß der ja iür Normannen und Staufer so überaus charakteristischen Regalienpoiitik, in der letzten Endes der Schlüssel für ihre Machtfülle im Innern zu suchen ist. Färberei und Seidenindustrie waren Staatsmonopole, zugleich aber Judenmonopole, indem man sie in die Hand der Juden legte, Dies ist die Auffassung, die Straus gegen Caro, wie es mir scheint, mit Recht vertritt. Die Doppelstellung dieser Monopole ist charakteristisch, sie machte einerseits die Juden vom Staate völlig abhängig, andererseits aber wirtschaftlich unabhängig, weil im Vorteil gegen jede mögliche Konkurrenz. Die öffentlich-rechtliehe Steilung der Juden wandelte sich in derselben Weise, wie der Staat sich allmählich christianisierte; so hat nur unter dem Drucke der Kirche Friedrich II. 1221 verordnet, daß die Juden auf ihren Kleidern ein Zeichen tragen sollten, 1231 aber nahm er diese Ver- Ordnung nicht mehr in sein Gesetzbuch auf, als er sah, daß auch durch Zugeständnisse ein Frieden mit der Kurie nicht möglich war. Im Mittelpunkte des Wirtschaftsleben der Juden standen die oben genannten Monopole. Ihre Finanzkraft ist nach Straus keine sehr bedeutende gewesen. Die Juden sind in Sizilien vornehmlich Handwerker, nicht Bankiers. — Von der sozialen Verfassung der Juden sei nur die Tatsache genannt, daß durch die engen Beziehangen zwischen Staat und Juden ein eigener Stand von jüdischen Günstlingen sich bildete, der rieben die beiden anderen jüdischen Adelskasten der Reichen und Gelehrten trat. Die jüdische Wissenschaft jener Zeit ist nicht vornehmlich eine talmudische gewesen; die Juden haben sich in den meisten Disziplinen der damaligen Wissenschaft betätigt Aber eine gewisse Abhängigkeit des jüdischen Forschens vom Hofe, der es anregte, ist festzustellen. Zusammenfassend weist Straus darauf hin, daß die jüdische Geschichte Siziliens eben eine von der jüdischen Geschichte Nordeuropas verschiedene ist und daß es zu Irrtümern führen muß, hier und dort dieselben Motive anzunehmen. Der besonderen wissenschaftlichen Beachtung sei der Anhang der Straus’schen Arbeit empfohlen, der die wesentlichsten Quellenbelege zusammenstellt. Gerade für sizilische Geschichte, wo die Quellen so unendlich zerstreut sind, ist eine derartige Sammlung höchst dankenswert Fehlt ja immer noch für die Normannen eine Regestensammlung, die Garufi zwar plant, aber immer noch nicht vollendet hat.

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