Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 510 (sequence 1)
- Language
- German
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510 Besprechungen. R. Straus. Die Juden im Königreich Sizilien unter Normannen und Staufern. [Heidelberger Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte, hrsg. von Karl Hampe und Hermann Oncken, 30. Heft ] Heidelberg (Carl Winter) 1910. Die Geschichte Siziliens und Unteritaliens im 11. und 12. Jahrhundert ist von der Wissenschaft in den letzten Jahren mehrfach in Angriff genommen worden. Denken wir nur an die Arbeiten Ferdinand Clialandons und Erich Caspars, so wird zugestanden werden müssen, daß große Fortschritte erzielt worden sind. Viel bkibi aber — sehen wir von den Quellenpublikationen und -editionen ab, wo fast noch alles zu tun ist — auch dem darstellenden Historiker noch zu leisten übrig. Denn von welcher Seite man auch an die Geschichte Siziliens in jener Epoche herantritt, findet man eigenartige Formen des geschichtlichen Lebens, wie es in einem derartig viel gestaltigen Lande nicht anders zu erwarten ist. — Einzeluntersuchungen werden also hier noch in großer Zahl, sei es für die Wirtschaftsgeschichte, sei es für die politische oder die Kulturgeschichte des Landes, geleistet werden müssen, ehe nur die wichtigsten Probleme gelöst sind. So ist es höchst dankenswert, daß Straus die Juden jener Zeit zum Gegenstände einer eigenen Monographie gemacht hat. Straus gibt zu, daß bei der spärlichen Überlieferung die Arbeit einen teilweise konstruktiven Charakter erlangt habe und die Auffassung eine subjektive sei. Trotzdem gelingt es ihm, ein abgerundetes Bild der jüdischen Geschichte jener Epoche zu geben. — Der eigentlichen Untersuchung schickt Straus eine Betrachtung über die grundlegenden politischen und kulturellen Verhältnisse voraus, die das Verständnis der jüdischen Zustände ermöglichen soll. Sizilien ist ein Nationalitätenstaat, und als die Normannen das Land besetzten, mußten sie den Juden wie den Sarazenen und Griechen — diesen besonders in Unteritalien — das Recht einer besonderen Nationalität einräumen. Damit ist schon der Unterschied Siziliens von den übrigen europäischen Staaten — Christliehen Nationalstaaten ־־־ in Bezug auf die Judenpolitik gekennzeichnet. Die Entwicklung Siziliens vom Nationalitätenstaat zum christlichen Nationalstaat, die unter dem Einfluß der Kirche sich vollzieht, bedeutet für die Juden eine allmähliche Umbildung und Verengung