Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Ethik R. Saadjas
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 399 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Ethik R. Saadjas. 399 Saadja gebührt das Verdienst, im biblisch-talmudischen Judentume zuerst die Ethik als gleichberechtigt der Religion gegenübergestellt und sie als selbständige Disziplin aus ihrer Verknüpfung mit verwandten Gebieten gelöst und bearbeitet zu haben. Wenn er sich hierbei auch oft von Gesichtspunkten leiten ließ, die, einer fremden Literatur entlehnt1), zu dem ihm durch die jüdische Überlieferung Gegebenen nicht immer paßten, so hat er doch die Eigentümlichkeiten der jüdischen Religionslehren besser zu wahren gewußt* als seine Nachfolger, die das Werk, das er begonnen, wohl vertieften und weiter ausbauten, aber auch, wie Maimonides, manche Besonderheiten der Religionsquellen der griechischen Philosophie zuliebe opferten oder Verschiedenheiten zwischen beiden auf Kosten der ersteren gewaltsam ausglichen. Wie sich die Ethik Saadjas aber im Einzelnen gestaltet, wollen wir in Folgendem dazustellen versuchen. tischen Beispielen aus der Geschichte, um die Gläubigen zur Nachahtnung anzuspornen. Erst durch alle diese sich an Herz und Gemüt wendenden Momente zusammen, werde eine rechte und nachhaltige Wirkung erzielt. ב) Wenn Saadja sein Werk auch nach dem Muster eines mutazilitischen Kaläm angelegt haben mag und der Einfluß der arabisehen Scholastik in den uns oft eigentümlich erscheinenden Problemen bei ihm sich oft stark bemerkbar macht, — Mose b. Esra in seiner aräb. Poetik und Mose von Salerno in seinem Moreh-Kommentar bezeichnen Saadja als Mutakaliimun, Maimonides nennt ihn im »Briefe nach Jemen«, ed. Holub, S. 39 und Moreh I, 71 (an letzterer Stelle ohne seinen Namen zu nennen) einen Anhänger des Kaläm — so gilt dies doch meistens 11ur von den dogmatischen und besonders den eschatologischen Partien seines Buches. In der Ethik — mit Ausi^ahme von der Lehre über die Willensfreiheit — richtet er sich hauptsächlich nach griechischen Vorbildern. (Fortsetzung folgt.)