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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 4 · p. Seite 386

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 4
Article
Die Ethik R. Saadjas
Date
1911-01-01
Page
Seite 386 (sequence 2)
Language
German
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386 Die Ethik R. Saadjas. gionsphilosophiel) erworben hat, besteht für die Entwicklungsgeschichte des jüdischen Geisteslebens hauptsächlich darin, daß er den gesamten Glaubensschatz seines Volkes, wie er sich durch Bibel und Talmud im Laufe der Jahrhunderte gebildet hatte, zum erstenmale in seiner Reinheit2) systematisch dargestellt und bei dem von ihm versuchten Ausgleich von Religion und Philosophie die Originalität und Selbständigkeit des jüdischen Geistes zu wahren verstanden ägypten, seit 928 Gaon (Rektor) der Hochschule zu Sura, st. 942 daselbst, vgl. Graetz, Geschichte der Juden V, S. 302 ff. [V* *, 283 ff.] *) Schon vor Saadja hatte Isaak Israeli (845—940) in seinem סי היסודות einen religionsphilosophischen Versuch gemacht, in dem er dem Eklektizismus zuneigte. Sein Ruf als Arzt war aber größer als der als Philosoph (vgl. das harte Urteil Maimünis über seine Philo- Sophie, Briefsammlung, ed. Amsterdam, 14 b [Vgl. über ihn jetzt Jacob Guttm anns Abhandlung über die philosophischen Lehren des Isaak b. Salomon Israeli in Bd, X, Heft 4 der von CI. Bäumker herausgegebenen »Beiträge zur Geschichte der Philosophie des Mittelalters«, Münster i. W. 1911]). Einen größeren, aber ebenfalls ohne weitere Bedeutung gebliebenen Versuch machte dann David Almokammez, auch Alraki und הבבלי genannt; er war ebenfalls Arzt und ist spätestens 937 gestorben. Von seinem in zwanzig Abschnitten niedergelegten System sind uns nur einzelne Fragmente erhalten, die das ganze Werk als nach dem Muster eines mutazilitisehen Kal am angelegt erscheinen lassen. Drei dieser Bruchstücke befinden sich in dem von Halberstam (Berlin 1888) edierten Jezirahkommentar des Juda ben Barsillai, S. 65, 77 ff. und zwar Abschnitt IX, der das Wesen Gottes (quidditas); 2. teilweise Abschnitt X, der die Eigenschäften Gottes und 3. S. 151, Abschnitt XVI, der die Vergeltung im Jenseits behandelt. Teile dieser Bruchstücke wurden früher vonLuzzatto in Gabriel Polacks Halichot Kedem, S. 71—78 und von J. Fürst im Literaturblatt des Orients, S. 617, 631 und 642 veröffentlicht. [Vgl. Eppensteins Bemerkungen zu Graetz V4, S. 322, Anm. 5.] 2) ln wie hohem Grade ihm dies, trotzdem er sich dem Einflüsse der griech. Philosophie nicht entziehen konnte, gelungen ist, beweist der Umstand, daß er nicht nur einer der bei den Juden am meisten gelesenen Religionsphilosophen war, sondern daß in der Gegenwart sogar seine Ansichten selbst in dogmatisch sehr wichtigen Punkten in den Lehrbüchern der jüd. Religion häufig wieder zu finden sind, Vgl. Graetz, Geschichte der Juden V, S. 332 [V4, 312].

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