Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 370 (sequence 5)
- Language
- German
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370 Besprechungen. läßt die Phrase in der Tat ganz unverständlich. Die Übertragung der Briefe ist natürlich überhaupt nicht leicht gewesen, und so manches״ Fragezeichen, das die Herausgeber bei der Entzifferung des Textes• selber, wie in der Übersetzung vermerkt haben, gibt von den Schwierigkeiten Kunde, mit denen sie zu kämpfen hatten. S. 33 der Übertragung möchte ich statt Pfen: Pfaffen lesen- S. 34 statt die gesih;־ die Goje! S. 49 bedeutet die Phrase »eich am nechsten«: zunächst׳ an euch. S. 54 beim Fragezeichen: doch ob sich es G. B. »ungleich« zugangen war. S. 63 im Briefschluß heißt das Bejalde des hebräischen Textes: der Junge unter den »Jungen« der Zeit; es ist nichts ausgefallen, wie Wachstein in der Anmerkung vermutet. S. 66 bei Anmerkung. 13: pinilich Bündelich, Bündelchen (oder auch Bändekhen?). S.71 der Ausdruck »beschiken« bezieht sich wohl auf den Dukaten und bedeutet: ihn beschneiden. S. 73: ein frnske? wohl: »sie is, got gern irs, eine Parneste«, d. h. die Frau eines Parnes und deshalb recht stolz! ־— Daß nicht bloß die deutsche, sondern auch die hebräische Orthographie, besonders in den Frauenbriefen, oft recht fehlerhaft ist, braucht nicht wunder zu nehmen; was an Wissen und Bildung׳ fehlt, wird reichlich durch den innigen und gemütvollen Ton aufgewogen, der gerade in den Frauenbriefen herrscht. Es sind einige: wahrhaft klassische Stücke darunter, die wieder Zeugnis davon ablegen, daß die vielgerühmte Kraft des jüdischen Familienlebens tatsächlich alle Lobsprüche verdient, die ihr auch für jene schweren Zeiten gezollt werden. So haben denn die Privatbriefe auch für die praktische Apologetik des Judentums ihre Bedeutung, und die jüdische Wissenschaft darf darum den Herausgebern Wachstein und Landau,, wie der historischen Kommission der Wiener Kultusgemeinde herzliehen Dank für diese nach jeder Richtung hin wertvolle Edition sagen. Nunmehr steht eine neue und bedeutsame Ausgabe in Sicht, die Veröffentlichung der Wiener Grabinschriften; sie liegt wiederum im Wachsteins Händen, und nach den bisherigen Proben, die er vom seiner Art zu arbeiten gegeben, darf man ihr mit Spannung entgegensehen. Möge auch sie wohl gelingen und ganz ebenso wie die Privatbriefe ein schätzbares Stück der historischen Kleinforschung werden,, die, so unbedeutend sie scheinen mag, doch unentbehrlich für dem Aufbau des großen Gesamtbildes bleibt! Nürnberg. Freudenthal..