Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 324 (sequence 8)
- Language
- German
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324 Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter. schlösse gebracht hat. So hat sich, entsprechend den Worten der Schrift der Name des großen, von gerechtem Streben erfüllten Gaon für alle Zeiten als vom segensvollsten Einfluß erwiesen und die tiefsten Spuren in der jüdischen Literatur hinterlassen. Mit Recht führt er darum auch in dieser Hinsicht den ihm von Abraham Ibn Esra beigelegten Ehrentitel eines ראש המדברים בכל מקום, da die jüdische Wissenschaft gewissermaßen auch jetzt noch mit seinen Worten zu uns redet V. Die Erzählung von den vier gefangenen Talmudisten. ln dem an und für sich berechtigten Streben, die so wunderbare Entwickelung in der Geschichte und Literatur des Judentums in manchen bedeutungsvollen Phasen mit einem höheren Walten der Vorsehung in Verbindung zu bringen, ist wohl auch mancher Fehlgriff in der Geschichts- Schreibung und -forschung zu verzeichnen. Ein besonders bezeichnendes Beispiel bietet hierfür die Erzähiung von den vier gegen Ende der Geonimzeit gefangenen Talmudlehrern, die ein intensiveres Halachastudium nach Ägypten, Nordafrika, Spanien und Südfrankreich gebracht haben sollen. Alte, wie neue Geschichtsschreiber, von Abraham Ibn Daüd an, wollen darin gleichsam eine göttliche Fügung erblicken. Indes darf dieses Gefühl für ein höheres Walten in der Geschichte uns nicht den Blick für die Realität der geschichtlichen Tatsachen trüben, und so muß denn nach verschiedenen Richtungen hin, vom literarischen und histo« rischen Standpunkt aus, der Bericht von dem so interessanten Ereignis als unhaltbar angesehen werden. Der Erörterung dieses auch in letzter Zeit noch behandelten Problems1) soll l) Es kommen hier hauptsächlich in Betracht die Ausführungen von Halevy in Doroth Harischonim III, S. 283—302 und Poznanski in seiner Studie אנשי קירואן in der Harkavy-Festsch rift, besonders S. 192—194. Von sonstiger hierher gehörenden Literatur nenne ich, ohne allerdings auf Vollständigkeit Anspruch zu erheben: Ra-