Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus und dem entstehenden Christentum?
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 16)
- Language
- German
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uad dem entstehenden Christentum? 175 Christusglauben, sondern dem jüdisch-hellenistischen Antinomistnus, der schon nach der Kreuzigung Jesu ungestüm in die christliche Gemeinde eindrang. — Die gesetzesfreie Predigt des Stephanus — nicht die Anhängerschaft an Jesus — führte zu einem Volksauflau}, dem letzterer zum Opfer fiel. Und an diesem Aufruhr beteiligte sich der gesetzeseifrige Saulus in hervorragender Weise1) und empfand, wie die Apostelgeschichte hervorhebt, Befriedigung über den Tod des Stephanus. — :Daß diese Verfolgung ausschließlich gegen die gesetzesfreien Hellenisten sich richtete und nicht gegen die gesetzestreuen Anhänger Jesu, geht unzweideutig daraus hervor, daß die letzteren von ihr garnicht berührt wurden, da ja ihre Häupter, die Apostel, unangefochten in Jerusalem bleiben durften, während der Anhang des Stephanus auswandern mußte. Man hat sich aber von Anbeginn mit der Apostelgeschichte daran gewöhnt, in jüdischen Verfolgungen antinomistischer Tendenzen stets »jüdische Christenverfolgungen« zu sehen, und so merkte und merkt man bis auf den heutigen Tag nicht mehr, daß die gesetzestreue urchristliche Gemeinde den jüdisch-hellenistischen Antinomismus nicht minder verfolgte, als es das pharisäische Judentum tat. Ich kann also aus den paulinischen Briefen, den ältesten christlichen Dokumenten, ich mag sie drehen und wenden wie ich will, die Überzeugung schlechterdings nicht gewinnen, daß das jüdische Volk Jesum verfolgt oder gar der Schlachtbank überliefert habe. Ich habe vielmehr allen Grund zu vermuten, daß Paulus selber diese Überzeugung nicht gehegt; denn was konnte ihn hindern, sie in seinem harten Kampf gegen »jüdischen Unglauben und jüdische Blindheit« zum Ausdruck zu bringen? ') App. 8, 1: 5s yiv (juvsuSoxöv T/j ävoaps׳rss aüioü (ETS<p5CV0u).