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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 6 · p. Seite 687

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 6
Article
Die Juden bei Wilhelm Raabe
Date
1910-01-01
Page
Seite 687 (sequence 47)
Language
German
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־687 Die Juden bei Wilhelm Raabe. jüdischer Schriftsteller mit wärmerem Herzen das jüdische Leid geschildert und das Unrecht, das dem gehetzten Volke immer und überall zugefügt worden ist? Höxter und Corvey wurde, wie bereits gesagt, 1875 veröffentlicht. Das letzte Buch Raabes »Hastenbeck« erschien 1899. In diesen 24 Jahren, in denen er seinem Volke noch 16 Werke geschenkt hat, die den früheren nicht nachstehen, ist nur noch einmal von Juden die Rede und zwar wieder in demselben Geiste der Unparteilichkeit und Gerechtigkeit. In den »Akten des Vogelsangs«, dem vorletzten Buche (1895) heißt es (S. J26): »Daß Religiosität und Geschäftssinn, nicht feindliche Geschwister sind, hat nicht allein das Haus Israel bewiesen; auch die frommen Vertriebenen, die auf der »Mayflower« drüben landeten, haben das ebensowohl bewiesen wie die Hugenotten des Edikts von Nantes in der Mark Brandenburg. Und sie reichen sich. auch heute noch die Hand durch die ganze Welt: Synagoge, Kirche und Börse.« In demselben Buche nennt er Heine den hellenischen Juden oder semitischen Hellenen, wie in »Wunnigel« Spinoza der hohe Meister aus dem Haag heißt« Und noch einen jüdischen Schriftsteller scheint Raabe gekannt und geschätzt zu haben. Denn in den »Gänsen von Bützow« läßt er den Konrektor J, W. Eyring unter anderen Büchern des Ephraim Moses Kuh »Hinterlassene Gedichte« (bei Grell, Füßli u. Comp. 1792) lesen. Wir haben nun alle Bücher Raabes, die für unseren Zweck in Betracht kommen, durchwandert und gefunden, daß die, aufgestellte Behauptung, er stehe auch den Juden vorurteilslos gegenüber, gerechtfertigt ist. Fassen wir jetzt am Schlüsse zusammen, welche guten Eigenschaften er an ihnen hervorhebt, welche schlechten er anführt, so ergibt sich folgendes: Gelobt werden die unauslöschliche Liebe zum eigenem Volke und zu dem längst verlorenen Stammlande, Liebe und Anhänglichkeit der Familienglieder unter einander.

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