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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 6 · p. Seite 684

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 6
Article
Die Juden bei Wilhelm Raabe
Date
1910-01-01
Page
Seite 684 (sequence 44)
Language
German
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684 Die Juden bei Wilhelm Raabc. ken; das ist aus einer Hand bei uns dann in die andere gekommen. In Gronau hab’ ich es wieder gefunden.« Und er zieht aus dem Plunder einen Reiterhandschuh hervor, der mit verblaßtem Golde gestickt war. Er kennt ihn wohl, hat doch seine Mutter die Goldfäden gezogen und den Handschuh Just mitgegeben, als er in den Kampf zog. Henricus zieht seinen Schemel an das traurige Bett und läßt sich von Leah erzählen: »Mein Vater war der einzige Jüd, der In Höxter wohnen durfte, und ich war ein junges Mädchen. Der junge Kavalier ritt mit Lachen in das Tor. Was trieb mich nur aus dem Haus? Es ist einerlei — ich trocknete ihm mit meinem weißen Sacktüchlein das Blpt von der Stirn; er aber sah mich an und sagte: Merci Madmoisellei Er wußte ja nicht, daß ich ein jüdisch Mädchen sei. Dann kam der Herr Bürgermeister und mich zog mein Vater ins Haus und die Mutter schlug mich . . . (Man vergleiche S. 670: wir aber sind ein Volk, das was hält auf seine Ehre usw.) ... Ja und a?1i Abend, ehe sie ihn vor das Tor begleiteten, kam er vor meines Vaters Haus und ich saß am Fenster und er warf mir seinen Handschuh zu und eine Kußhand und rief: »Denkt an Just von Burlebecke, Fräulein;, er wird Eurer immer gedenken! Und doch wußte er da schon, daß ich eine Jüdin sei — er aber war ein guter Ritter und ich habe seiner wirklich oft gedacht. Meine Mutter schlug mich noch einmal am Abend und mein Vater; denn der Rat hatte die Reiterzehrung, die er dem guten Ritter verehrte, auf den jüdischen Mann gelegt. Den Handschuh habe ich heimlich versteckt, sonst hätten sie ihn mir mit einem Fluche vor der Nase verbrannt; alsdann haben meine Kinder damit gespielt — meine Kinder sind tot, dreimal hat mein Haus in Schutt gelegen . . . Nehmt den Handschuh, ehrwürdiger Herr, und lasset es die Simeath nicht entgelten, daß ihr ihn bei uns fandet. Helfet dem unschuldigen Kinde, der Simeath, durch diese Nacht!« Und als der Greis sagte: »Als meine Mutter diesen

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