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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 5 · p. 630

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 5
Article
[Rezension]
Date
1910-01-01
Page
630 (sequence 1)
Language
German
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?Aayhaum, S. Prof. Dr., Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Berlin, Predigten titid Sciirifterklärüiigen. Band V. Festpredigten. Erste Hälfte. Neujahrs-, Versohnungs•־ lind Laubliüttänfest. Berlin 1909. Selbstverlag. 80• IX + 239 SS. — Bänd VI״ Festpredigten. Zweite Hälfte. Pessachfest und Schäbuotfest. Berlin 1910. Kommissionsverlag von M. 692 Poppeläuer. 80. VI + 264 SS. Im jüdischen Leben der letzten Dezennien haben sich bemerkensweite Umwälzungen vollzogen. Fromme Wünsche werden daran nichts ändern, die Entwickelung unserer Tage drängt unaufhaltsam vorwärts. Die Kenntnis der hebräischen Sprache ist unleugbar im Schwinden begriffen und die Möglichkeit, dieser Schwierigkeit zu begegnen, entmutigend gering. Das Geschlecht der Gegenwart wächst nicht mehr in einer AthmoSphäre heran, die mit jüdischem Geiste gesättigt ist. Wir mögen das bedauern und beklagen, aber das Judentum hat die Pflicht, sich dieser gebieterischen Notwendigkeit anzupassen. Nur Träumer und Phantasten mögen es anders begreifen. Der stille Friede ist aus dem Empfinden des modernen Menschen gewichen, seine seelische Verfassung ist komplizierter geworden. Der Beruf übt seinen harten Zwang auf ihn aus und erfordert ungewöhnliche Anspannung seiner sittlichen und geistigen Kräfte. Das Gotteshaus erschließt sich ihm selten, müde und mürb geworden sucht er hier nicht so sehr eine philosophische Darstellung und Durchdringung seines Glaubenssystemes als vielmehr Trost und Erhebung, Mut und Begeisterung für den Kampf um Leben und Religion, als eine Darlegung der Grundlehren des Judentums, als eine Widerlegung all der Bestreik tungen, wie sie die Lehre Israels in der Wissenschaft und in der periodisch erscheinenden Literatur erfährt. Für allzu tiefgründige philosophische Spekulationen ist auf der Kanzel kein. Raum, Ästlietisieren weckt allein noch kein religiöses Gefühl. Die religiöse Rede wendet sich —• soll sie wirksam sein — an das Gemüt und an die Richtung des Willens. Wahre Kunst wird immer in־ der Schlichtheit und Einfachheit ihr höchstes Ziel erblicken, wird verwirrende Umwege in der Gedankenführuug und in der Diction vermeiden. Die Predigt ist niemals für wenige Auserwählte bestimmt, sondern für die Gesamtheit, deren Bildung und Äuffassungsfäliigkeit unendlich mannichfaltig sich darbietet. Wer nun vollends zu dein Publikum einer Weltstadt zu reden hat, der wird mehr noch als andere sein Kunst-

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