Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 509 (sequence 6)
- Language
- German
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Besprechungen. 509 haben); den vorhergehenden Vers betrachtet er, wie neuere Erklärer, als Einleitung. Diabaterien (Leben Mosis II, 224 u. ö.) sind Opfer, die man nach griechischem Brauch beim Überschreiten einer Grenze oder eines Flusses brachte, also nicht Überschreitungsopfer im Sinne des biblischen Berichtes; vgl. de spec, leg. II, 146. Sehr dankenswert sind die häufigen Nachweise von Paralleien aus dem jüdischen und dem griechischen Schrifttum. Die meisten Untersuchungen der Quellen Philos lammen von Philologen, die kein Hebräisch verstehen, oder von Theologen mit mangelhaften griechischen Kenntnissen; die Verfasser dieser Nachweise wissen eifreulicherweise auf beiden Gebieten Be» scheid und vermögen daher richtig abzuschätzen, wo die griechischen und wo die jüdischen Einwirkungen überwiegen. Nach Vollständigkeit ist nicht gestrebt, wohl um den Umfang des Bandes nicht zu sehr anschwellen zu lassen. So seien denn einige Nachträge erlaubt. Der Einfluß des Timäus (p. 53 d.) zeigt sich in der Vorstellung, das rechtwinklige Dreieck sei die Grundfigur aller Dinge (Weltschöpfung 97, Leben Mosis II 80) und in der Erwähnung von Erdkatastrophen durch Feuer und Wasser (Leben Mosis II 263 Tim. 22c). Er hätte sich in der Schrift von der Weltschöpfung leicht eingehender nachweisen lassen an der Hand der Dissertation von J. Horovitz, Philos und Platos Lehre von der Weltschöpfung; besonders beachtens» wert, weil für die Entstehung des phiionischen Systems überhaupt lehrreich, ist Horovitz’ Hinweis (S. 64) darauf, daß Philo notwendig das biblische slx.cov Gen. 1, 26f. im platonischen Sinne verstehen und daher überzeugt sein mußte, Platos intelligible Welt in der Bibel vorzufinden. — Die Unterscheidung zwischen den Motiven des Gottesdienstes (Über Abraham 128: als Selbstzweck oder zur Abweudung von Übeln oder zur Gewinnung von Gütern bestimmt) geht wohl auf Theophrast zurück; vgl. Bernays, Theophrasts Schrift über Frömmigkeit, S. 105. Die Deklamationen gegen die Leidenschaft und gegen den Küchenluxus (Über Joseph 56 f., 62) stehen wohl unter dem Einfluß der Diatribe. Die Auffassung der Tugend als Ausgangs״ und Zielpunkt (Leben Mosis II 181) hält Arnim (Stoic. vet. fragni. III Nr. 227) wohl mit Recht für stoisch; jedenfalls ist es die mehrfach (z. B. Leben *Mosis I 61) wiederkehrende Billigung der Jagd als Vor•־ Übung für den Herrscherberuf; vgl. Cicero de natura deorum II § 161. Endlich noch ein paar rabbinische Parallelen. Da Philos Stellung zur Bibel der der Rabbinen ähnlich ist, so versteht es sich, warum er häufig in der Fragestellung mit ihnen zusammentrifft. So fragen auch die Rabbinen (Ber. rabba 1, 2; Philo, Weitsch. 1), warum die Thora nicht mit der Gesetzgebung beginnt; warum die