Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 371 (sequence 8)
- Language
- German
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Besprechungen. 371 bjieb&n, $en s|e ata £nfang des 5. Jahrhunderts erreppfct hatte; nur besaßen die Verfügungen der byzantinischen Kaiser ipfplge der mftyqrymle einge£rjst£nen staatlichen Umwälzungen pi^ht• jnehr nnh1ittelb|1re Geltung für den Westen. Die.se ׳Digge }fegen frpöfch außerhalb des von Lucas behapdeften Zeitab|chnitts. Ein w£sen־tliphes Jjßojngnji, ag| das er hinweist, ist noch »die chrfstliphe Apjschatuung, <d,$ß ,die Jud,en bis zum Ende dey S7e.lt notwendig für die Gliristpn sei.en« (S. 125). » Alan hatte doch nicht nur Feindschaft und Frachtung für die Juden, in Wirklichkeit war damit wunderlich gemischt ein geheimnisvoller gespejct vor dgpi einst lpgftimen Volke, dessep prophetqn mit<Qpjtt Zwiesprache gehalten, und dessen rejigiöse^s Verhalten tjnjjt dem plan Gottes in ganz besondere Verbindung gesetzt wurde« fß. 124)• So entsprach ]bei den Kircheny^tern »der .ungeheuerlichen Schroffhjeit« der polemischen Äußerungen keineswegs »eine ,ungeheuer- :]iqhe Schroffheit der Taten« (S. 123), und es hat später, zur Zeit des zweiten Kreuzzugs, ]Bernhard von Clairvaux im Sinne des Augustinus gehandelt, wenn er die Juden vor Niedermetzlung schützte. Bei Erhaltung des Judentunis wirkten, historisch betrachtet, eine Reihe von Momenten verschiedenster Art zusammen. Es gehörte dazu, daß im 4. Jahrhundert die siegende Partei ihren Erfolg nicht bis zum äußersten ausnutzte. Das Christentum hat die Religion der Antike vernichtet und Sekten in seiner eignen Mitte aufs härteste verfolgt; verhältnismäßig am wenigsten geschah den Juden zu Leide. "Nun sagt Lucas selbst (S. 102 f.): »Das Judentum erhielt dadurch, daß das Christentum dem alttestamentlichen Schrifttum einen Offenbarungscharakter zusprach, eine einzigartige kulturgeschichtliche Bedeutung. Wie sehr sich die Religionen auch bekämpfen mochien, tatsächlich brachte das Christentum die religiöse Vergangenheit des Judentums und einen Teil seiner Lehren der Fühl- und Denkweise der großen Welt nahe. Mit dem Siege des Christentums haben die religiösen und religions-politischen Bücher des Judentums den Triumphzug über die Welt an getreten.« Demnach räumt Lucas hier ein, was er anderwärts (S. 133) bestreitet, nämlich, »daß das Christentum dem Judentum immer noch näher stand als der Hellenisinus«, dem die literarische Überlieferung der Juden ganz fern gelegen hatte. Zu- :zugeben ist, daß man beiderseits die Tatsache nicht gelten lassen ׳wollte; aber ein latentes Gefühl von ihr muß vorhanden gewesen sein. Das Christentum hat »der jüdischen religions-politischen und geistigen Vergangenheit eine herrschende Bedeutung im ganzen Reiche verschafft« (S. 103); das konnte den jüdischen Zeitgenossen nicht entgehen und die christlichen wiederum glaubten an die Notwendigkeit 4es Fortbestehens des Judentums Dem gegenüber verlieren selbst 24*