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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 3 · p. Seite 363

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1910-01-01
Page
Seite 363 (sequence 5)
Language
German
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Besprechungen. 363 ist, wird nicht begründet, die Schwierigkeiten des dogmatischen Gottesbegriffs werden vollkommen ignoriert. Dem Verfasser fehlt offenbar eine ausreichende philosophische Schulung. Daher werden die schwierigen Probleme der Schöpfung, Willensfreiheit, Unsterblichkeit mit wenigen Worten erledigt, ohne daß dem Leser auch nur die Möglichkeit ihrer Lösung klar wird. Eine systematische Verbindung der einzelnen Lehren wird nur hin und wieder versucht, im allgemeinen begnügt sich Köhler damit, daß sein Stoff begrifflich geordnet ist. Doch mit einer solchen immanenten Systematik darf eine Theologie sich nicht begnügen, sondern sie hat den systematischen Zusammenhang und Aufbau ihrer Sätze mit aller Deutlichkeit herauszuarbeiten und nach* zuweisen, wie es etwa Schleiermacher in seinem »christlichen Glauben« getan hat. Man wird ihm vorwerfeu können, daß er die Dogmen der christlichen Kirche sich nach seinen! philosophischen Standpunkt zu״ rechtgeiegt und ihren klaren Sinn nicht genügend beachtet hat, doch trotz dieser Subjektivität bleibt sein Buch das Werk eines scharfsin״ nigen philosophischen Kopfes, während Kohl ei’s Arbeit als systema״ tische Leistung durchaus unzulänglich ist. Ihre Vorzüge liegen in den historischen Partieen. In methodischer Hinsicht wird sich auch hier manches einwenden lassen. Es bleibt unerklärt, warum in dem einen Falle Maimonides, in dem anderen Crescas, oder Philo, dieser oder jener Ausspruch aus Talmud und Midrasch erwähnt wird. Die Auswahl erscheint willkürlich. Streng historischen Charakter besitzt also seine Darstellung auch nicht. Eine streng wissenschaftliche Geschichte der jüdischen Religion ist jedoch wohl heute noch nicht zu schreiben, dazu fehlen für die liachbiblische Zeit die Vorarbeiten. Aber als ein frisches und sympathisches Volksbuch, das für unseren Glauben interessiert und erwärmt und in nichtjüdischen Kreisen aufklärend und versöhnend wirken kann, hat Köhlers Buch zweifellos einen nicht unbeträchtlichen Wert. In jedem Falle ist es mit Freude zu begrüssen, daß endlich ein jüdischer Gelehrter den Versuch gewagt hat, eine Theologie des Judentums zu schreiben. Vielleicht gelingt es ihm, durch gründliche Umarbeitung seinem Werke einen streng wissenschaftlichen Charakter zu verleihen. Schneidemühl. Julius Lewkowitz.

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