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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 3 · p. 359

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1910-01-01
Page
359 (sequence 1)
Language
German
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Köhler Grundriss einer systematischen Theologie des Judentums auf geschichtlicher Grundlage. Leipzig, Buchhandlung Gustav Fock, 342 S., 1910, 8. Die jüdische Wissenschaft kennt seit langer Zeit zwei große Aufgaben, die der Lösung harren. Wir entbehren eine objektive, von jeder christologischen Tendenz freie Geschichte der jüdi־ sehen Religion, die alle Phasen der Entwickelung mit gleichem Verständnis und derselben Treue darstellt und die verschiedenen gegeneinander streitenden Tendenzen, den Kampf der Prinzipien erkennt. Wir brauchen außerdem eine Theologie des Judentums, die den Lehrinhalt unseres Glaubens in die Form bringt, die dem wissen״־ schaftlichen Denken und dem religiösen Empfinden unserer Zeit entspricht. Kohler’s soeben erschienenes Buch scheint beide Aufgaben mit einem Schlage lösen zu wollen. Er hat das vorhandene Material begrifflich geordnet, skizziert die Entwickelung der einzelnen religiösen Lehren und schließt daran eine freimütige Kritik der Tradition vom Standpunkt moderner Wissenschaft oder philosophischer Reflexion. Er verfügt über eine umfassende Kenntnis der religiösen und religionswissenschaftlichen Literatur und spricht in klarer, lebendiger und eindrucksvoller Form als warmfühlender Jude und zugleich mit dem ruhigen Ernst des nach Wahrheit suchenden Forschers. Ob es ihm aber gelungen ist, eine systematische Theologie zu schreiben, die den Ansprüchen der Wissenschaft genügt, erscheint uns zweifelhaft. »Der dialektische Charakter der Sprache und die systematische Anordnung geben der Dogmatik die ihr wesentliche wissenschafüiche Gestaltung«, sagt Schleiermacher. »Ihre Aufgabe ist die Übertragung des gedanklichen Inhalts der Religion aus der Bilderspräche der Phantasie in die streng logischer Begriffe und die Verbindung der einzelnen Lehren zu dem Ganzen eines zusammenhängenden und geschlossenen Systems. Sie unterscheidet sich von der Religionsphilosophie durch ihren Ausgangspunkt. Für alle philosophische Untersuchung ist die einzige und höchste Instanz die menschliehe Vernunft, die dogmatische Darstellung der religiösen Lehren hält sich dagegen innerhalb der Sphäre des religiösen Bewußtseins und verzichtet auf jede kritische Stellungnahme zu den einzelnen religiösen Fragen, soweit sie nicht durch eine Änderung des religi- Ösen Empfindens veranlaßt wird. Hinsichtlich der Methode aber be-

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