Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Entschuldigungsgedicht Gabirols an Samuel ha-Nagid
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 332 (sequence 12)
- Language
- German
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332 Das Entschuldigungsgedicht Gabirols an Samuel Hanagid. »Doch denk' nicht, Fürst, daß Gier nach Lohn mich treibt, Die huldigend ein winselnd Lied dir beut; Mein Herz ist nicht verzagt und führtest du Die Sternenheere mit heran zum Streit!«1) Wo bleibt aber nach dieser Auseinandersetzung der Vers, in dem Gabirol die Gedichte des Nagid zum Gegenstände seines Tadels macht? Der Dichter wollte ihn weder verleugnen, noch konnte er das. Es bleibt nur die Annahme, daß dieser Vers, im Zusammenhänge gelesen, überhaupt keinen Tadel enthält, oder daß er in scherzhafter Laune gesprochen wurde und gar nicht ernst gemeint war, oder endlich, daß sich die Bemerkung Gabirols — wie früher erwähnt — nur auf ein spezielles Gedicht bezogen hat. Den zahlreichen Gegnern Gabirols aber bot sich hier eine willkommene Gelegenheit, das Freundschaftsverhältnis zwischen dem armen Dichter und dem reichen Fürsten, um dessen Gunst alle gebuhlt, zu erschüttern, und sie ließen diese Gelegenheit nicht ungenützt vorübergehen. Ihr wenig ehrenvolles Vorgehen hat Gabirol zur Selbst- Verteidigung gezwungen, und so ist das »Entschuldigungsgedieht« entstanden, dessen Veröffentlichung vielleicht ein falsches Urteil, das Geschlechter hindurch unerschüttert blieb, beseitigen und zu einer gerechten Würdigung der Dichtungen des Samuel Hanagid den Anstoß geben wird. *) Vers 53—54 nach der Übersetzung Geigers a. a. O., S. 77.