Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Religion
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 30)
- Language
- German
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158 Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Religion. nisses für die alte Geschichte Palästinas erfahren möchte,, wird sie finden. Aber er suche sie dann nicht nur an jenen einzelnen Orten und Punkten auf, an denen Jesus wandelte. Die Jesusgeschichte ist eine Episode aus einer reichen, bunt wechselnden und höchst interessanten zweitausendjährigen geschichtlichen Entwickelung. Wer das zerrissene Gebirge Juda und den Tiberiassee, den Karmel und Gilboa, das Tote Meer und den Hermon gesehen, wer den Blick vom Ölberg über die hochragende Stadt hat schweifen lassen, — der hat keine neue geschichtliche Offenbarung: empfangen? Zum ersten Male gewinnt die Geschichte in ihm lebendige Gestalt, und erwächst ihm ein neues Verständnis für Personen und Dinge der alten Zeit. Unverständlich, wie man hier nur von dem äußeren Drum und Dran sprechen kann. Ja, selbst wer nur den Spuren Jesu in Palästina folgen wollte, dürfte dort mehr als Äußerlichkeiten, die den Rahmen der Gestalt Jesu bilden, finden. Als ich durch die gleichmäßig gewellte Berglandschaft Galiläas fuhr, ging mir ein Verständnis für jene Beziehungen auf, auf die Renan hingewiesen hat, die Beziehungen zwischen dem Wesen der Lehre Jesu und dem Charakter der galiläischen Landschaft und zwischen dem Wesen des Judaismus und dem Charakter der judäischen Landschaft. Und das gilt nicht nur für das Christentum, sondern für jede Art Apokalyptik. Ich verstand, warum gerade hier im Zentrum der galiläischen Berge, in Safed, im 17. Jahrhundert die Kabbalah zur Blüte gelangte. Es war kein Zufall — etwa in dem Sinne, daß sich ebenso gut das kabbalistische Zentrum in Jaffa oder in Jerusalem hätte entwickeln können; nie hätte es hier in dem Maße gedeihen können wie dort. So möchte ich im Gegensatz zu Gressmann das Erdgeruchprinzip auch auf diese Kulturerscheinungen ausdehnen: auch das Christentu m, auch die Kabbalah tragen ein gut Teil Erdgeruch von Galiläa an sich.