Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 2)
- Language
- German
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252 Besprechungen. kanntlich von einem ähnlichen Geschick bedroht sind, wenn sie nicht in Buchform veröffentlicht werden. Nur der letzte Aufsatz tritt hier zum ersten Mal in die Öffentlichkeit. Und die Freunde des jüdischen Schrifttums nicht nur aus der Gelehrtenwelt sind ihm dafür zu Danke verpflichtet. Lebhaft verfolgen wir die Mitteilungen über seine Entdeckungsreise nach Kairo zu der über ein Jahrtausend alten sögenannten Synagoge Esras, des Schreibers, einer ehemaligen Koptischen Kirche, die nicht lange nach der Eroberung Ägyptens durch die Muhammedaner den Juden zu ihren Gottesdiensten übergeben wurde. Der geniale Spürsinn, der ihn im Winter 1896/97 dahin trieb, ohne daß er von der Existenz dieser Synagoge, geschweige denn von ihren Schätzen eine Ahnung hatte, wurde bekanntlich aufs glänzendste belohnt. Einzelne versprengte Manuskriptteile, die ans Kairo nach England in private und öffentliche Bibliotheken kamen, hatten in ihm die Überzeugung von der Wichtigkeit der Geniza dieser Stadt erweckt. Aber daß er etwa 100,000 Handschriften, darunter eine große Anzahl solcher von unschätzbarer Wichtigkeit, als Beute heimführen werde, hatte er auch in seinen kühnsten Träumen nicht geahnt. Schon daß er zugleich der schmachvollen Verhöckerung und Zerteilung ganzer Manuskripte zum Zweck solchen Schachers ein Ende machte, ist kein geringes Verdienst. Man kann wohl sagen, daß es kein Gebiet jüdischen Interesses gibt, das durch diese Funde nicht bereichert würde. Und der Verfasser gehört zu den verschwindend wenigen Gelehrten, denen die jahrelange Beschäftigung mit eingehender gelehrter Forschung nicht die Gabe beeinträchtigt hat, im Plaudertone das Laienpublikum durch ihren Gegenstand vom Anfang bis zum Ende fesselnd zu unterhalten, mag er von dem ältesten Thora-Manuskript, von der Auffindung eines großen Teils des seit anderthalb Jahrtausenden verlorenen Sirachbuchs, von der Entzifferung einiger Fragmente der gleichfalls verlorenen griechischen Bibelüber- Setzung Aquilas auf einem Palimpsest, von Stücken und Kommentaren des babylonischen oder jerusalemitischen Talmud, von Schriften verschollener jüdischer Sekten, von uralten Gebeten, von Geschäftsbriefen zwischen Handelshäusern in Kairo und Malabar, von Ehevedrägen und Scheidebriefen •und von hundert andern Dingen sprechen: »Ich blicke mit Neid«, so sagt er in einem Gefühl von Genugtuung und Resignation zugleich, »auf die jüngeren Gelehrten, die vielleicht einst, wenigstens in ihrem Alter, die volle und reife Frucht dieser Entdeckungen in allen ihren mannigfachen Verästehingen und breiten Verzweigungen genießen werden.« Das Sirachbueh, dessen Original dem Verfasser seine teilweise Auferstehung nach tausendjährigem Schlafe verdankt, bietet ihm reichen Stoff zu einem Blick auf das soziale Leben der Juden in der